Wie Texte für Website, KlientInnen und Dokumentation im Praxisalltag leichter gelingen – mit Struktur und Haltung.
Schreiben gehört für Therapeutinnen und Therapeuten ganz selbstverständlich zum Berufsalltag. Es begleitet die Arbeit mit Klientinnen und Klienten ebenso wie den Außenauftritt der eigenen Praxis – von Dokumentationen über Handouts bis hin zu Website-Texten oder Social-Media-Beiträgen. Und doch löst gerade das „offizielle“ Schreiben bei vielen ein mulmiges Gefühl aus.
Denn während wir täglich E-Mails verfassen oder uns Notizen machen, scheint das Schreiben plötzlich schwer zu werden, sobald ein Text sichtbar wird. Die leere Seite wirkt einschüchternd, der Anspruch steigt, wir fühlen uns bemüßigt, eine Pulitzer-Preis-verdächtige Leistung abzuliefern und im Kopf herrscht mitunter gähnende Leere – wie in einer verlassenen Westernstadt, durch die nur noch ein paar Heuballen rollen.
Dabei liegt genau hier eine große Chance: Schreiben ist weit mehr als reine Informationsvermittlung. Es ist Beziehungsgestaltung auf Papier. Texte machen Haltung sichtbar, vermitteln Werte und schaffen Nähe. Gerade im therapeutischen Kontext kann das Schreiben so zu einem wichtigen Bestandteil professioneller Präsenz werden – nach innen wie nach außen.
Inhalt
- Quick-Read
- Warum Schreiben für TherapeutInnen eine zentrale Rolle spielt
- Typische Schreibanlässe in der Praxis
- Wenn Schreiben schwerfällt: typische Stolpersteine
- Erste Hilfe für leichteres Schreiben
- Struktur gibt Halt
- Der richtige Ton: nahbar und professionell
- Technische Unterstützung sinnvoll nutzen
- Schreiben als Teil der Selbstfürsorge
Quick-Read
Du hast gerade wenig Zeit, möchtest aber trotzdem kompakt Schreibtipps für deinen Praxisalltag erhalten? Dann nutze Quick-Read – für Wissen on the go 💡💜
Schreiben gehört zur therapeutischen Arbeit – ob in der Dokumentation, im Kontakt mit KlientInnen oder im Außenauftritt der eigenen Praxis. Trotzdem fällt es vielen schwer, gerade wenn Texte „offiziell“ werden. (Weiterlesen…)
Warum Schreiben wichtig ist:
- Gute Texte schaffen Vertrauen und Sichtbarkeit
- Sie unterstützen die therapeutische Arbeit (z. B. durch Handouts oder Infos)
- Klare Formulierungen sind bei Berichten und Anträgen unerlässlich
Typische Schreibanlässe:
- Praxis-Website und „Über mich“-Texte
- Klientenunterlagen und Übungen
- Newsletter und Social Media
- Berichte für Kassen, Ämter oder Gutachten
- Fachliche Texte und Vorträge
Häufige Hürden:
- Angst vor dem weißen Blatt
- Zeitmangel im Praxisalltag
- Perfektionismus und Fachjargon
- Schreibblockaden
Was hilft beim Schreiben:
- Die Zielgruppe klar definieren
- So schreiben, wie man spricht
- Unperfekt starten statt gar nicht
- Umwege nutzen (Brainstorming, freies Schreiben)
- Feste Schreibroutinen entwickeln
- Schreibfluss bewusst unterbrechen (Hemingway-Effekt)
Guter Schreibstil im therapeutischen Kontext: Nahbar und empathisch – aber klar und professionell. Fachwissen darf sichtbar sein, sollte jedoch verständlich vermittelt werden.
Technische Unterstützung: KI-Tools und Schreibprogramme können Struktur geben, Einstiegshürden senken und Texte überarbeiten – die eigene Stimme bleibt dabei zentral.
Schreiben ist ein erlernbares Handwerk und eine wertvolle Ressource im Praxisalltag. Mit Struktur, Übung und etwas Druckreduktion wird es leichter – und kann sogar Freude machen.
Warum Schreiben für TherapeutInnen eine zentrale Rolle spielt
Gut formulierte Texte erhöhen die Sichtbarkeit einer Praxis und unterstützen den professionellen Auftritt – etwa auf der Website, im Newsletter oder in sozialen Medien. Sie geben Einblick in die eigene Arbeitsweise und helfen potenziellen Klientinnen und Klienten, sich ein Bild zu machen.
Auch im direkten Praxisalltag spielt Schreiben eine zentrale Rolle: verständliche Handouts, strukturierte Übungsblätter oder klar formulierte Informationen können die therapeutische Arbeit sinnvoll ergänzen. Hinzu kommen Berichte, Gutachten und die Kommunikation mit Krankenkassen oder Behörden. Gerade hier zeigt sich, wie wertvoll klare, präzise und nachvollziehbare Texte sind – besonders dann, wenn Inhalte später noch einmal geprüft oder hinterfragt werden.
Typische Schreibanlässe in der Praxis
Therapeutisches Schreiben begegnet uns in vielen Formen, unter anderem in:
- Praxis-Websites, insbesondere im „Über mich“-Bereich, wo Persönlichkeit und Kompetenz sichtbar werden
- Klientenunterlagen wie Handouts, Infoblätter oder Übungen
- Newslettern und Social Media, die regelmäßig Einblicke geben und Beziehung aufrechterhalten
- Berichten und Anträgen für Kassen und Ämter, die Klarheit und Fachlichkeit erfordern
- Fachlichen Texten, etwa für Vorträge, Artikel oder den kollegialen Austausch
So unterschiedlich diese Textformen sind, sie alle stellen ähnliche Anforderungen – und bringen ähnliche Hürden mit sich.
Wenn Schreiben schwerfällt: typische Stolpersteine
Die Angst vor dem weißen Blatt ist wohl die bekannteste Schreibbremse. Eine leere Word-Seite scheint Ideen genauso zu vertreiben wie Wasser Katzen. Dazu kommt der Faktor Zeit: Zwischen Kliententerminen, Organisation, Fortbildungen und E-Mails wirkt ein ruhiges Schreibfenster oft wie Luxus.
Auch Perfektionismus spielt eine große Rolle. Die Sorge, Fehler zu machen oder „nicht gut genug“ zu schreiben, führt schnell dazu, dass Texte unnötig verkompliziert werden. Fachsprache übernimmt dann die Führung, wo eigentlich Klarheit gefragt wäre. Und schließlich ist da noch die klassische Schreibblockade – die treue Begleiterin des weißen Blattes, die manchmal auch mitten im Text auftaucht und sich hartnäckig hält.
Die gute Nachricht: Wir haben in unserem Erste-Hilfe-Koffer die passenden Hausmittelchen gegen Textblasen, Satzbrüche und Wortnot!
Erste Hilfe für leichteres Schreiben
Die Zielgruppe klar vor Augen haben
Jeder Text wird leichter, wenn klar ist, für wen er gedacht ist. Richtet er sich an Kinder oder Erwachsene, an Fachkolleginnen und -kollegen oder an Menschen ohne therapeutischen Hintergrund? Ein paar Stichworte zur Zielgruppe schaffen Orientierung und helfen, Ton und Sprache zu finden.
So schreiben, wie man spricht
Wenn Formulierungen stocken, hilft ein Perspektivwechsel: Was würde man einer Person im Gespräch zu diesem Thema sagen? Eine Sprachaufnahme auf dem Smartphone kann dabei Wunder wirken. Gesprochene Gedanken lassen sich anschließend verschriftlichen und in Ruhe überarbeiten.
Unperfekt beginnen
Bestsellerautorin Jodi Picoult weiß: „You can always edit a bad page. You can’t edit a blank page.“ Regelmäßiges Schreiben – auch ohne Anspruch auf Perfektion – stärkt die eigene Sicherheit und macht Überarbeitung zu einem selbstverständlichen Teil des Prozesses.
Umwege zulassen
Manchmal hilft es, bewusst vom Thema wegzugehen. Freies Schreiben, Brainstorming oder ein kurzer Text über etwas völlig anderes bringen Bewegung in den Kopf. Oft taucht der rote Faden dann ganz von selbst wieder auf.
Routinen entwickeln
Ob täglich 30 Minuten oder ein fixer Termin pro Woche: Schreiben wird leichter, wenn es einen festen Platz im Kalender bekommt. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern die Regelmäßigkeit.
Den Hemingway-Effekt nutzen
Aufhören, wenn es gerade richtig gut läuft – dieser Trick kann helfen, den Wiedereinstieg zu erleichtern. Offene Gedanken und Notizen sorgen dafür, dass der Schreibfluss beim nächsten Mal schneller wieder da ist.
Struktur gibt Halt
Texte profitieren von einem klaren Gerüst. Die klassische Dreiteilung – Einleitung, Hauptteil, Schluss – funktioniert zuverlässig. Ergänzt durch kleine Storytelling-Elemente, Fragen oder kurze Alltagsbilder entstehen lebendige Texte, die Nähe schaffen.
Gerade bei Online-Texten lohnt sich außerdem ein klarer Abschluss: eine Einladung zum Weiterlesen, zum Nachdenken oder zum Kontaktaufnehmen. So bleibt der Text nicht offen, sondern führt die Leserinnen und Leser sanft weiter.
Der richtige Ton: nahbar und professionell
Schreiben im therapeutischen Kontext bewegt sich auf einem schmalen Grat. Texte sollen empathisch sein, ohne beliebig zu wirken, fachlich fundiert, ohne zu überladen. Fachwissen darf sichtbar werden – entscheidend ist, wie es vermittelt wird. Eine klare, verständliche Sprache auf Augenhöhe schafft Vertrauen und signalisiert Professionalität zugleich.
Technische Unterstützung sinnvoll nutzen
Digitale Tools können beim Schreiben entlasten. KI-Anwendungen wie ChatGPT oder Perplexity helfen etwa bei der Strukturierung oder beim Finden eines Einstiegs. Auch Korrektur- und Sprachtools unterstützen bei Grammatik, Stil oder Kürzungen. Wichtig bleibt dabei: Die eigene Stimme sollte in deinen Texten immer erkennbar bleiben. Tools sind Hilfsmittel – kein Ersatz für Haltung und Persönlichkeit.
Schreiben als Teil der Selbstfürsorge
Abseits aller Techniken lohnt sich ein freundlicher Blick auf das eigene Schreiben. Wer den Druck reduziert und Schreiben nicht nur als Pflicht, sondern auch als kreative Ressource begreift, schafft Raum für Leichtigkeit. Gedanken aufzuschreiben kann klären, entlasten und sogar ausgleichend wirken – gerade im oft fordernden Praxisalltag.
Schreiben ist ein lernbares Handwerk. Mit Zeit, Übung und den passenden Strategien wird es zunehmend vertrauter. Oder, um es mit Joseph Pulitzer zu sagen:
„Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“
Mit diesen Bausteinen darf der eigene Text am Ende ruhig ein kleines bisschen preisverdächtig sein.
Header © Christin Hume | Unsplash