Wir zeigen dir, welche Trends jetzt im Marketing relevant sind, was die Begrifflichkeiten genau bedeuten und wie du all das fĂĽr dich und deine Praxis nutzen kannst. Wir zeigen dir, welche Trends jetzt im Marketing relevant sind, was die Begrifflichkeiten genau bedeuten und wie du all das fĂĽr dich und deine Praxis nutzen kannst.

Marketing Trends 2026: Von AI First bis Odd Couple Collabs

Wir zeigen dir, welche Trends jetzt im Marketing relevant sind, was die Begrifflichkeiten genau bedeuten und wie du all das fĂĽr dich und deine Praxis nutzen kannst. 

KĂĽnstliche Intelligenz verändert unsere Welt. Das spĂĽren wir gerade in allen Bereichen unseres Lebens. Auch wenn KI-Produkte und die Firmen, die dahinterstehen, immer mit einem kritischen Auge betrachtet werden sollten, so bietet diese Technologie dennoch eine Vielzahl an spannenden Möglichkeiten – sowohl fĂĽr den privaten als auch den beruflichen Alltag. Ein anderer Punkt steht dabei auch fest: Egal, ob man KI fĂĽr die größte Erfindung seit dem Rad hält oder am liebsten davonlaufen möchte, sobald man diesen, zugegeben, sehr inflationär benutzten Begriff hört – es fĂĽhrt kein Weg daran vorbei und wer sich jetzt nicht damit auseinandersetzt, wird langfristig auf der Strecke bleiben. Beim Marketing, auf Social Media oder der Content-Erstellung im Allgemeinen. 

Egal, ob du mehr Patientinnen und Patienten gewinnen, deine Expertise unter die Leute oder einfach neue Follower auf Instagram gewinnen möchtest – die aktuellen Marketing-Trends können dir dabei Leitfaden und Inspiration sein.

Wir haben uns die folgenden fĂĽnf Trends im Marketing 2026 näher angesehen: 

  • AI First 
  • SEO und GEO 
  • Zero-Click-Marketing | AI Slop und Bot Traffic
  • Hyperpersonalisierung | Video 2.0
  • Odd Couple Collabs

Solltest du dich beim Lesen dieser Liste fĂĽhlen, als wärst du gerade unabsichtlich in einen Fremdsprachenkurs gestolpert, dann sei versichert: Wir erklären dir alle Begrifflichkeiten ausfĂĽhrlich und verständlich. Und noch ein wichtiger Hinweis vorab: Wir greifen hier alle aktuellen Trends im Marketing auf. Manche davon sind fĂĽr dich als Therapeutin und Therapeut im täglichen Berufsalltag relevanter, andere vielleicht gar nicht. Wir möchten dennoch gerne alle Trends erwähnen, damit du davon gehört hast und dir selbst ein Bild machen kannst, in welche Aspekte du dich mehr vertiefen möchtest und bei welchen du den „Next!“-Button drĂĽckst. Los geht’s! 


Quick-Read

Du hast gerade wenig Zeit, möchtest aber trotzdem kompakt alles über die Marketing Trends 2026 erfahren? Dann nutze Quick-Read – für Wissen on the go 💡💜

KĂĽnstliche Intelligenz verändert derzeit viele Bereiche unseres Lebens – auch Marketing, Social Media und Content-Erstellung. Ob man KI begeistert nutzt oder ihr skeptisch gegenĂĽbersteht: Wer sich langfristig sichtbar machen will, kommt nicht daran vorbei, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Gleichzeitig bleibt eines entscheidend: Authentischer, menschlicher Content wird in einer zunehmend automatisierten Onlinewelt immer wertvoller. (Weiterlesen…)


AI First: KI als Arbeitsassistenz

Der Trend AI First bedeutet, KI nicht nur gelegentlich zu nutzen, sondern sie bewusst in Arbeitsabläufe zu integrieren. Tools können bei Aufgaben wie Contentplanung, Texterstellung oder Bildproduktion unterstützen und so Zeit sparen. Wichtig bleibt jedoch die Kombination aus Mensch und Maschine: KI hilft bei der Umsetzung, während Strategie, Kreativität und Qualitätskontrolle weiterhin beim Menschen liegen.

SEO trifft GEO: Sichtbarkeit neu gedacht

Während SEO (Search Engine Optimization) dafür sorgt, dass Websites bei Google möglichst weit oben erscheinen, wird mit KI-Suchsystemen auch GEO (Generative Engine Optimization) wichtiger. Dabei geht es darum, wie häufig Inhalte in KI-Antworten oder Zusammenfassungen zitiert werden. Für Praxen bedeutet das: Gute Websites mit klaren Informationen und fachlichem Content erhöhen sowohl ihre Sichtbarkeit in Suchmaschinen als auch ihre Chance, von KI-Systemen als Quelle genutzt zu werden.

Zero Click, AI Slop und Bot Traffic

Immer häufiger liefern Suchmaschinen bereits Antworten, ohne dass Nutzer auf Websites klicken müssen – ein Phänomen, das als Zero-Click-Marketing bezeichnet wird. Gleichzeitig wächst die Menge automatisch generierter Inhalte im Internet (AI Slop) und ein Teil des Website-Traffics stammt von automatisierten Programmen (Bot Traffic). Gerade deshalb gewinnen hochwertige, persönliche Inhalte und vertrauenswürdige Quellen an Bedeutung.

Hyperpersonalisierung: Relevanter Content statt Masse

Auf Social Media setzen große Unternehmen zunehmend auf Hyperpersonalisierung, also Inhalte, die genau auf individuelle Interessen zugeschnitten sind. Auch kleinere Praxen können dieses Prinzip nutzen, etwa durch Inhalte für konkrete Zielgruppen (z. B. Büroarbeiter:innen oder Läufer:innen), regionale Bezüge, Serienformate oder wiederverwertbaren Content. Wichtig bleibt dabei: Qualität und Relevanz für echte Menschen.

Video bleibt dominierend

Videos bleiben auch 2026 das wichtigste Format auf Social Media. Neben kurzen Clips gewinnen auch längere Inhalte an Bedeutung – etwa Videos, die als Einstieg zu weiterführenden Angeboten wie Onlinekursen, Workshops oder Blogartikeln dienen.

Odd Couple Collabs: Ungewöhnliche Kooperationen

Ein weiterer Trend sind ungewöhnliche Kooperationen mit Partnern, die nicht auf den ersten Blick zusammenpassen – etwa mit lokalen Unternehmen, Sportvereinen oder Studios. Solche Kooperationen können wertvollen Wissens-Content schaffen, neue Zielgruppen erreichen und lokale Communities stärken. Wichtig ist dabei, den Fokus auf Information und Prävention zu legen und Kooperationen transparent zu kennzeichnen.


AI First: KI als Arbeitsassistenz 

Kannst du dich noch daran erinnern, dass manche prophezeit haben, Printprodukte wie gedruckte Magazine und BĂĽcher wĂĽrden aussterben? GroĂźe Ăśberraschung: Die Buchhandlungen haben sich zwar reduziert, aber es gibt sie noch und sie sind nach wie vor gut besucht. Betreten groĂźe technische Neuerungen die BĂĽhne, könnte man regelmäßig der Meinung sein, die gesamte Weltordnung wĂĽrde sich ändern. Aus solchen Neuerungen entwickelt sich oftmals ein Hype, eine Blase entsteht, die frĂĽher oder später platzt. In so einer Situation befinden wir uns aktuell mit der KĂĽnstlichen Intelligenz. Dass die KI-Blase frĂĽher oder später platzen wird, ist keine Frage des „ob“, sondern eine des „wann“. Man kann es sich ein bisschen wie ein Pendel vorstellen, das zunächst wild in alle Richtungen ausschlagen muss, bevor es seine Mitte findet und in gemĂĽtlichem Tempo vor sich hinschwingt. 

KI muss also erst ihre Mitte finden. Sie jedoch als Hype abzutun, der wieder vergeht, wäre ein großer Fehler. Die KI ist gekommen, um zu bleiben, und wer sich damit auseinandersetzt, sich kontinuierlich weiterbildet und learning by doing betreibt, wird langfristig am Ball bleiben. AI-First-Denken im Marketing und generell in allen Arbeitsbereichen bezeichnet dabei den Vorgang, KI nicht nur als Experiment zwischendurch zu betrachten, sondern sie als fixen Bestandteil in den eigenen Abläufen und Prozessen konsequent mitzudenken. Wie eine persönliche Assistenz, die immer an deiner Seite ist – im Marketing und langfristig auch in der therapeutischen Arbeit.

Genau dieses Prinzip der persönlichen Assistenz verkörpern die KI-Agenten. Während klassische Chatbots, wie du sie sicherlich schon als Support-Service auf mancher Website gesehen hast, auf Standardfragen beschränkt sind, können moderne KI-Agenten Kontext verstehen und, wenn sie z. B. an interne Systeme angebunden sind, sogar konkrete Aufgaben selbstständig erledigen. Das Ziel ist es, Arbeitsabläufe und vor allem immer wiederkehrende To-dos zu automatisieren, damit Zeit zu sparen und die Produktivität zu steigern. Ein solcher automatisierter Prozess könnte beispielsweise so aussehen, dass du im Zuge deiner Marketing-Planung eine Liste anlegst, in die du die Prompts, also Beschreibungen deiner kommenden Social-Media-Posts, einspeist, und dein KI-Agent macht sich dann selbstständig daran, ĂĽber Gemini Bilder und Texte zu erstellen, diese ĂĽber deinen Canva-Account zu konkreten Posts zu verarbeiten und diese fertigen Posts in einem von dir gewĂĽnschten Ordner auf deinem Computer zu speichern. 

Wie in allen Bereichen, wo wir mit KI arbeiten, darf auch hier nicht auf eine reine Automatisierung gesetzt werden. Es muss immer eine Mischung aus Mensch und Maschine bleiben, denn es muss kontrolliert, redigiert und adaptiert werden. Der Mensch verschwindet nicht, seine Rolle verändert sich. In vielen Bereichen werden wir von DesignerInnen zu KuratorInnen. Wichtig ist dabei auch: Wie die Mischung aus Mensch und Maschine aussieht, ist immer noch eine persönliche Entscheidung. Wenn mir gewisse kreative Prozesse einfach zu viel SpaĂź machen, sollte ich sie auch weiter selbst ausfĂĽhren. Vor allem um KI langfristig als hilfreiches Tool nutzen zu können und nicht Burnout davon zu bekommen, ist es sehr wichtig, seinen ganz persönlichen Zugang dazu zu definieren. 

Die KI kann auch bald deine Werbungen fĂĽr dich bauen. Meta plant noch fĂĽr 2026, KI-Tools anzubieten, bei denen du nur noch Ziel und Budget festlegen musst und den Rest die KI erstellt. Auch bei diesem Punkt sieht man klar, dass die Zuständigkeiten des Menschen nicht verschwinden, sondern sich verändern. Du als Therapeutin oder Therapeut oder die Agentur, die du fĂĽr Social Media und/oder dein Marketing im Allgemeinen beauftragst, mĂĽssen nicht mehr so sehr die Mikro- als die Makroebene definieren. Statt Finetuning an einzelnen Posts stehen nun langfristige Marketingstrategien und ein klar definiertes Branding, also die Präsentation deiner Marke, im Vordergrund. 


SEO trifft GEO: Sichtbarkeit neu gedacht

SEO – die Kurzform fĂĽr „Search Engine Optimization“ – bezeichnet die Kunst der guten Sichtbarkeit im World Wide Web. Es ist der Werkzeugkoffer mit all jenen Tools, die dafĂĽr sorgen, dass du z. B. als Physiotherapeutin mit einer Spezialisierung auf Schulterbeschwerden und einer Praxis in MĂĽnchen möglichst weit oben auf Google erscheinst, wenn jemand nach „physiotherapie schulter mĂĽnchen“ sucht. 

Nun ist es so, dass immer mehr Menschen Tools wie ChatGPT oder Gemini als Suchmaschine verwenden und auch die größte Suchmaschine Google als Erstes in der Reihe der Suchergebnisse eine „Übersicht mit KI“ ausspuckt. Hier kommt GEO ins Spiel, die „Generative Engine Optimization“. Die KI-Zusammenfassung wird ebenfalls aus Quellen aus dem Internet gespeist, die rechts neben dem Text in einer Box zu sehen sind. 

Bei der Suche nach Therapeutinnen und Therapeuten sieht der Start der Suchergebnisse meist anders aus. Hier werden als erstes meist Praxen angezeigt, die eine Werbung geschaltet haben, dann kommt Google Maps mit einigen Eintragungen und dann weitere Praxen, die zum Suchparameter passen. Hier wirken klassische SEO-Tools wie Unterseiten fĂĽr jede deiner Spezialisierungen. Hast du sehr viel Erfahrung bei der Behandlung von Schulterbeschwerden, um bei diesem Beispiel zu bleiben, wirkt deine Website auf Google mehr, wenn du eine eigene Unterseite hast, auf der du Infos zu dem Thema, deine Spezialisierung und bestimmte Fortbildungen, die du in diesem Bereich absolviert hast, aufzählst, als wenn du das Thema einfach kurz auf der Startseite erwähnst. 

GEO wird fĂĽr dich relevant, wenn deine Website nicht nur eine Dienstleistungs-, sondern auch eine Informationsseite ist. Wenn du beispielsweise einen Blog fĂĽhrst und dort regelmäßig Content in Form von Ăśbungen und Videos zum Thema Schulterschmerzen zeigst, wird deine Praxis-Website vielleicht bei der KI-Zusammenfassung als Quelle herangezogen, wenn jemand nach „schulterschmerzen ĂĽbungen physiotherapie“ sucht. Dies kann sich in weiterer Folge auch positiv auf dein Ranking als Dienstleister auswirken, wenn Google dich irgendwann als Expertin fĂĽr Schulterschmerzen in MĂĽnchen sieht. 

Kurz gesagt: Während es bei SEO darum geht, wie oft jemand deine Website aufruft, misst GEO, wie oft der Content deiner Website in Anfragen und Konversationen in KI-Suchsystemen zitiert wird. Dabei ist wichtig zu beachten: GEO ersetzt nicht SEO, sondern die zwei mĂĽssen Hand in Hand gehen. Das eine kann nicht ohne das andere und um langfristig von möglichst vielen Menschen gefunden zu werden und die eigene Expertise nach auĂźen zu tragen, braucht es beides. 

Die Prinzipien von SEO und GEO

Ein kleiner Diskurs zu SEO und GEO, falls dich dieses Thema näher interessiert. 

Die vier SEO-Prinzipien 

  • Experience: Inhalte sollten auf realer, eigener Erfahrung mit einem Thema oder Produkt basieren.
  • Expertise: AutorInnen sollten nachweisbare Fachkenntnis im jeweiligen Themengebiet besitzen.
  • Authoritativeness: Eine Website oder Person gilt als vertrauenswĂĽrdige Quelle, wenn sie von anderen relevanten Quellen häufig zitiert oder verlinkt wird.
  • Trustworthiness: Content muss transparent, korrekt und verlässlich sein, damit NutzerInnen und Suchmaschinen ihm vertrauen.

Die vier GEO-Prinzipien

  • Share of Voice: Misst, wie häufig eine Marke oder Quelle in KI-Antworten im Vergleich zu Wettbewerbern erwähnt wird.
  • Sentiment: Bewertet, ob eine Marke oder ein Thema in KI-Antworten ĂĽberwiegend positiv, neutral oder negativ dargestellt wird.
  • Prompts: Analysiert, bei welchen Nutzerfragen oder Formulierungen (Prompts) Inhalte in generativen KI-Antworten erscheinen.
  • AI-Traffic: Beschreibt den Website-Traffic, der entsteht, wenn NutzerInnen aus KI-Antworten auf eine Quelle weiterklicken.

Zero-Click-Marketing: AI Slop und Bot Traffic

Als es nur um SEO ging, zählte der, der die meisten Klicks hat. Das ändert sich mit KI und die Folgen davon werden immer absurder. Nicht nur sind die Suchmaschinen keine Plattformen mehr fĂĽr die Weitergabe von Sichtbarkeit – wenn ich nur mehr die KI-Zusammenfassungen lese, bleibe ich bis in alle Ewigkeit auf Google –, sie gehen auch immer mehr dazu ĂĽber, Bots anstelle echter Menschen ansprechen zu wollen. Hier kommen die Begriffe AI Slop und Bot Traffic ins Spiel. Kurz erklärt: 

  • AI Slop: Bezeichnet groĂźe Mengen schnell produzierter, oft minderwertiger KI-Inhalte im Internet, die wenig Mehrwert bieten und vor allem auf Reichweite oder Ranking abzielen.
  • Bot Traffic: Beschreibt Website-Besuche, die nicht von echten Menschen, sondern von automatisierten Programmen (Bots) erzeugt werden – etwa durch Suchmaschinen-Crawler, Monitoring-Tools oder auch Spam-Bots. 

Europol schätzt, dass bis Ende 2026 90 Prozent des Contents im Internet KI-generiert sein werden. So paradox das klingt, ergibt sich dadurch eine gute Nachricht fĂĽr alle KI-kritischen Menschen und jene, die die Nutzung der KI auf ein Minimum reduzieren möchten: Echte Inhalte bekommen Einhorn-Status. 

In einer Welt, in der Algorithmen Vorauswahlen treffen, ohne dass sich je ein Mensch aktiv eingemischt hat, Websites und Blogs mit unkuratiertem KI-Inhalt ĂĽberschwemmt werden und sich Roboter mit Robotern unterhalten, klicken Menschen nur dann weiter, wenn sie etwas Menschlichkeit und Eigenständigkeit erwarten können. Keine Inhalte und Antworten, wie sie sie schon tausendfach woanders gesehen haben. Klassische PR, also Erwähnungen in guten Medien, Studien oder Interviews auf glaubwĂĽrdigen Plattformen, schafft Vertrauen, ebenso wie klassisches E-Mail-Marketing wie beispielsweise das Versenden von Newslettern. 

Als kleiner Zwischenstopp können wir uns also merken:

  • Ăśberlege dir genau, was fĂĽr eine „Marke“ deine Praxis sein soll.
  • Arbeite eine konkrete Marketingstrategie aus.
  • Nutze KI-Tools, wo sie dir optimal helfen, um produktiver zu werden, Zeit zu sparen und sichtbarer zu werden.
  • Bleibe aber authentisch, menschlich und persönlich. wenn es um den tatsächlichen Content geht.

Hyperpersonalisierung und Video 2.0: Relevanter Content statt Masse

Kommen wir zu Social Media, den Trends, die sich dort abzeichnen, und einer Frage: Erinnerst du dich noch an Social Media „von damals“? Plattformen wie MySpace oder StudiVZ, auf denen man alte Schulfreunde wiedergefunden, ĂĽber die gleichen Interessen neue Freunde kennengelernt und hin und wieder aufgrund brennender existenzieller Fragen kryptische Songtexte gepostet hat. Diese Plattformen waren dazu da, um seine Interessen und sein Leben mit der Welt zu teilen und sich darĂĽber mit anderen zu verbinden. Heute sind Social-Media-Plattformen von Orten der Vernetzung zum Zeitvertreib zwischendurch geworden. Sobald wir in der U-Bahn oder abends am Sofa sitzen, geht das Doomscrolling los. Dabei wird viel mehr konsumiert statt interagiert, auĂźer wenn wir unseren Freunden das zehnte Katzenvideo weiterschicken. 

Die Algorithmen der Plattformen belohnen dieses Verhalten auch zunehmend. Es geht mehr und mehr um Daueraufmerksamkeit als um Tiefgang und durch die natĂĽrliche Angst des Menschen, etwas zu verpassen, funktioniert das auch sehr gut. Daraus ergibt sich ein schwieriger Drahtseilakt: Wer mehr auf Qualität statt auf Quantität setzt, hebt sich von den vielen dauerpostenden Profilen ab, doch aufgrund der Beschaffenheit der Algorithmen muss man durch diese Dauerwerbesendung erstmal durchdringen, und dann auch noch zur richtigen Zielgruppe. 

Der Trend Hyperpersonalisierung ist zwar eher fĂĽr größere Firmen mit den passenden Ressourcen interessant, dennoch kannst auch du als Therapeutin oder Therapeut oder generell als Kleinunternehmen die Grundprinzipien fĂĽr dich und deine Social-Media-Posts verwenden. Hyperpersonalisierung arbeitet mit Echtzeitdaten und KI-gestĂĽtzten Technologien, die deine Interessen genau abrufen und darauf mit Angeboten reagieren. Wenn du dich z. B. darĂĽber informierst, zu welchem Internet-Tarif du in deiner Praxis wechseln könntest, und nach einem konkreten Datenvolumen suchst, erhältst du direkt im Anschluss von einem Anbieter, der auf Hyperpersonalisierung setzt, ein konkretes Angebot: z. B. wenn du jetzt auf diesen Tarif mit genau dem von dir gesuchten Datenvolumen wechselst, zahlst du die ersten drei Monate nur die Hälfte. 

Wie kannst du als Therapeutin oder Therapeut, der nicht über eine Vielzahl an Analyse-Tools verfügt und so einen Aufwand auch gar nicht benötigt, diese Grundprinzipien für Social Media nutzen?

Wir haben sechs Vorschläge fĂĽr dich: 

  1. Mikro-Zielgruppen statt breite Zielgruppe
    Statt Inhalte allgemein für „alle“ zu erstellen, kann eine Praxis ihre Posts auf konkrete Beschwerden, Alltagssituationen oder Patientengruppen zuschneiden – etwa auf Menschen mit Homeoffice-Nacken, HobbyläuferInnen oder Rückenschmerzen nach der Schwangerschaft.
  2. Lokale Personalisierung nutzen
    Durch den Bezug zur eigenen Region lassen sich Inhalte persönlicher und relevanter gestalten, etwa mit Tipps für typische Beschwerden nach lokalen Sportaktivitäten oder mit Beispielen aus dem Alltag der PatientInnen in der eigenen Stadt oder im Stadtteil.
  3. Kommentare als Mini-Datenquelle
    Fragen aus Kommentaren, Nachrichten oder aus dem Praxisalltag liefern wertvolle Hinweise darauf, welche Themen Menschen wirklich beschäftigen, und können gezielt als Grundlage für neue Inhalte genutzt werden.
  4. Serien statt Einzelposts
    Wiederkehrende Formate wie „Übung der Woche“ oder „Physio-Tipp in 30 Sekunden“ schaffen Orientierung für die Community und erhöhen die Chance, regelmäßig im Feed zu erscheinen, ohne ständig neue Ideen entwickeln zu müssen.
  5. Content-Recycling statt Dauerproduktion
    Ein hochwertiger Inhalt kann in mehreren Formaten wiederverwendet werden – etwa als Reel, Karussell-Post, Story oder kurze Antwort auf einen Kommentar – und sorgt so für mehr Sichtbarkeit bei gleichzeitig geringerem Produktionsaufwand.
  6. Personas aus der Praxis ableiten
    Auch ohne komplexe Datenanalyse kann eine Praxis typische Patientengruppen aus dem eigenen Alltag identifizieren, etwa Büroarbeitende, FreizeitsportlerInnen oder ältere Menschen, und Inhalte gezielt auf deren häufige Beschwerden und Fragen ausrichten.

Ein weiterer wichtiger Social-Media-Trend, der sich 2026 fortsetzt: Video bleibt das dominante Format. Dabei bleibt es aber nicht nur bei den allseits beliebten Kurzformaten, sondern auch Long-Form-Content gewinnt an Bedeutung. Vor allem dann, wenn er als Einstieg fĂĽr tiefergehende Inhalte dient. FĂĽr dich als Therapeutin oder Therapeut kann das beispielsweise ein Kurs sein, den du online auf deiner Website anbietest, und als Einstieg gestaltest du dazu ein Video fĂĽr Instagram, in dem du ein Thema besprichst, das viele deiner Follower anspricht, erste Ăśbungen oder Inhalte zeigst und dann auf den Kurs verweist. 


Odd Couple Collabs: Ungewöhnliche Kooperationen 

Um die Ecke zu denken, hat noch nie geschadet. NatĂĽrlich gibt es fĂĽr dich als Therapeutin oder Therapeut gewisse Auflagen, die du beachten musst, wenn es um das Thema Werbung, Marketing und Kooperationen geht. Wenn bei den Kooperationen aber die Information im Fokus steht und nicht die Werbung, funktioniert es. 

Odd Couple Collabs bedeutet, mit Akteuren zu kooperieren, die man vielleicht nicht auf den ersten Blick mit dir in Verbindung bringen wĂĽrde. Du berätst als Diätologin oder Physiotherapeut im Zuge der Betrieblichen Gesundheitsförderung eine Firma in deinem Grätzel? Dann macht einen gemeinsamen Blogbeitrag und/oder ein Reel auf Instagram, in dem ihr ĂĽber gesunde Ernährung und/oder Bewegung im Arbeitsalltag sowie die richtige Einrichtung deines Arbeitsplatzes sprecht. So bietest du Mehrwert fĂĽr deine LeserInnen und Follower, ihr erweitert den Kreis jener, die eure Inhalte sehen, um die Follower des jeweils anderen und vielleicht denkt sich der Follower der Firma, der selbst eine FĂĽhrungskraft eines anderen Unternehmens ist: „Hey, mit dem Thema betriebliche Gesundheitsförderung wollte ich mich schon länger auseinandersetzen“, und hat nun eine erste Anlaufstelle dafĂĽr. 

Du deckst hiermit gleich drei sympathische Punkte ab: 

  • Du produzierst Wissens-Content in Form von Ăśbungen, Tipps und Anleitungen fĂĽr die individuelle Gesundheitsförderung.
  • Du bindest vielleicht deine lokale Community ein – ein Video zusammen mit dem Yoga-Studio ums Eck oder ein Workshop zusammen mit dem Unternehmen drei StraĂźen weiter schaffen Zusammenhalt und Gemeinschaft und gerade Kleinunternehmen können so ihre Ressourcen koppeln. 
  • Du benutzt Storytelling und kannst damit eine umfassendere Geschichte aufbauen oder einfach auch ein bisschen Unterhaltung und Authentizität reinbringen, z. B. wenn du den Lauf-Verein, der völlig unaufgewärmt ins Sonntagstraining starten will, erstmal aufhältst und ihnen die passenden Ăśbungen zeigst. 

Die Betonung von Transparenz und Information sollte dabei immer im Vordergrund stehen. Damit die Zusammenarbeit nicht als unzulässige Werbung wirkt, sollten Kooperationen transparent gekennzeichnet sein und sich klar auf allgemeine Gesundheitsinformation, Prävention oder Bewegung im Alltag konzentrieren – nicht auf individuelle Behandlungen oder Heilversprechen.

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