Wir zeigen dir, wie Farben, Materialien und Design gezielt eingesetzt werden können, um Atmosphäre, Funktionalität und therapeutische Arbeit in der Praxis zu unterstützen.
Der Psychiater Carl Gustav Jung schrieb einst: „Farben sind die Muttersprache des Unbewussten.“ Farben geben uns Orientierung, sie leiten uns sprichwörtlich durch das Leben, zum Beispiel in Form von Stoppschildern oder grünen Ampeln. Sie sind aber auch Ausdruck für Gefühle. Die Farbe Rot ist nicht nur eine Signalfarbe, die für Gefahr oder Warnung steht. In Form roter Rosen ist sie ebenso Ausdruck von Liebe. Farben können dementsprechend auch gezielt eingesetzt werden, um Emotionen in uns auszulösen oder uns zu bestimmten Verhaltensweisen zu leiten. So sind die Lokale von Fast-Food-Ketten oftmals bewusst in grellen Farben gehalten oder mit besonders hellem, weißem Licht ausgeleuchtet, damit sich die Besucherinnen und Besucher nicht zu lange dort aufhalten und die Tische so oft wie möglich neu besetzt werden können. Bei der Einrichtung einer Praxis möchten die meisten für gewöhnlich das genaue Gegenteil erzielen, denn wenn Patientinnen und Patienten sich wohl, geborgen und entspannt fühlen, kommen sie gerne immer wieder.
Inhalt
- Die Psychologie der Farben: Welche Emotionen Farben bei uns auslösen
- Farbpsychologie in der Praxis einsetzen: Wie Farben deine therapeutische Arbeit unterstützen können
- Die Farbenlehre auf einen Blick: Farbkombinationen und ihre Wirkweisen
- Materialkunde für die Praxis: Wie Texturen den Raum mitgestalten
- Persönlicher Stil trifft Praxisalltag: Gestaltung mit Kreativität und Weitblick
Die Psychologie der Farben: Welche Emotionen Farben bei uns auslösen
Ob du in deiner Praxis eine anregende und aktivierende oder eher eine beruhigende und entspannende Atmosphäre schaffen möchtest: Farben können dich dabei unterstützen. Wir machen einen Spaziergang durch den Farbkreis und geben dir einen kompakten Überblick über Farben (sowie Nichtfarben – dazu später mehr) und ihre Wirkung auf unser Unterbewusstsein. Dabei können Farben auch negative Assoziationen bei uns auslösen. So steht Schwarz für viele für Tod und Trauer, und Grün kann aufgrund bekannter Redewendungen auch mit Neid in Verbindung gebracht werden. Hinzu kommen natürlich auch persönliche Vorlieben und gedankliche Verbindungen. Wir haben uns bewusst jeweils auf drei positive bzw. neutrale Bedeutungen der Farben konzentriert.
Gelb | Wärme, Neugier, Offenheit
Orange | Optimismus, Geselligkeit, Fröhlichkeit
Rot | Stärke, Vitalität, Aktivität
Rosa | Sensibilität, Feinheit, Ruhe
Pink | Lebensfreude, Hingabe, Extraversion
Violett | Anspruch, Magie, Konzentration
Blau | Harmonie, Ausgeglichenheit, Zuverlässigkeit
Türkis | Klarheit, Freundlichkeit, Seriosität
Grün | Natürlichkeit, Hoffnung, Gesundheit
Braun | Bodenständigkeit, Sicherheit, Geborgenheit
Weiß | Wahrheit, Frieden, Sauberkeit
Schwarz | Eleganz, Würde, Geheimnis
Grau | Neutralität, Bescheidenheit, Understatement
Farbpsychologie in der Praxis einsetzen: Wie Farben deine therapeutische Arbeit unterstützen können
Was bedeuten diese Wirkweisen nun konkret für dich und deinen Alltag und wie kannst du sie in der Raumgestaltung deiner Praxis einsetzen? Wir haben ein paar konkrete Beispiele für dich.
🌹 Rot | Orientierung und Aktivierung
Rot eignet sich hervorragend als gezielte Akzentfarbe zur Orientierung und Aktivierung. Arbeitest du also mit Patientinnen und Patienten mit Demenzerkrankungen und/oder in der neurologischen Therapie, kannst du Rot etwa für Türrahmen, Handläufe oder markante Orientierungspunkte in deiner Praxis einsetzen. Die Farbe fördert Wachheit, Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft, was bei kognitiven Einschränkungen hilfreich sein kann. Achte darauf, Rot nur dosiert einzusetzen, um lediglich Akzente zu setzen, aber eine Überstimulation zu vermeiden.
🍀 Grün | Natürlichkeit und emotionale Sicherheit
Die Farbe Grün vermittelt Frische, Natürlichkeit und Hoffnung. Sie lässt sich daher gut in der Arbeit mit Kindern und/oder in der Ergotherapie einsetzen. In Räumen für Kinder schafft Grün eine sichere, nicht überfordernde Umgebung, die zum Entdecken und Mitmachen einlädt. In Kombination mit Naturmaterialien wie Holz kann die Verbindung zur Natur zusätzlich das Gefühl von Gesundheit und Wachstum fördern.
🦋 Blau | Stabilität und Vertrauen in die Bewegung
Zuverlässigkeit, Ausgeglichenheit und Harmonie – dafür steht die Farbe Blau und sie kann in physiotherapeutischen Settings helfen, Vertrauen in die eigene Bewegung zurückzugewinnen. Es wirkt stabilisierend, ohne zu bremsen, und eignet sich besonders für Trainings- und Behandlungsräume, in denen Konzentration und kontrollierte Aktivität gefragt sind.
🐻 Braun | Geborgenheit und Erdung
Braun erzeugt ein Gefühl von Bodenständigkeit und Sicherheit. Im Eingangsbereich einer psychologischen Praxis kann die Farbe helfen, erste Ängste ab- und Vertrauen aufzubauen. In Kombination mit warmen Texturen, Leder, Holz oder Stoffen unterstützt Braun das Erleben von Geborgenheit, Stabilität und Ruhe – eine wichtige Grundlage für therapeutische Gespräche.
🔆 Gelb | Offenheit und geistige Aktivierung
Die Farbe Gelb fördert Neugier, Aufmerksamkeit und geistige Wachheit. Als helle Akzentfarbe kann Gelb Denkprozesse anregen und eine offene, kommunikative Atmosphäre schaffen. Eine ideale Farbe für Räume, in denen Sprache, Lernen oder kreative Problemlösungen im Fokus stehen, wie beispielsweise bei Logopädie oder beim Coaching.
🌸 Rosa | Feinfühligkeit und emotionale Beruhigung
Rosa vermittelt Sanftheit und emotionale Ruhe. Dezent eingesetzt kann die Farbe helfen, Spannungen abzubauen und ein Gefühl von Schutz zu erzeugen. Sie eignet sich besonders für Therapie-Settings, in denen emotionale Verletzlichkeit eine Rolle spielt, so zum Beispiel, wenn du dich auf Traumatherapie oder die Arbeit mit hochsensiblen Menschen spezialisiert hast.
🩱Türkis | Klarheit und freundliche Distanz
Deine Praxis ist eine Schnittstelle zwischen Medizin und Therapie? Dann könnte Türkis die richtige Farbe für dich sein. Sie verbindet Freundlichkeit mit Seriosität und schafft so Klarheit, ohne kühl zu wirken. In Räumen, in denen Struktur, Orientierung und Kommunikation im Vordergrund stehen, kann man Türkis besonders effektiv einsetzen. Je nachdem, ob der Grundton eher ins Blau oder ins Grün geht, kannst du zusätzlich Emotionen fördern.
🤍🩶 Weiß und Grau | Neutralität als bewusster Rahmen
Weiß und Grau können als ruhige Basisfarben dienen, die anderen Farbakzenten Raum geben. Sie wirken ordnend, neutral und zurückhaltend – ideal für Praxen, in denen unterschiedliche Therapieformen stattfinden und die Farben flexibel eingesetzt werden sollen.
Die Farbenlehre auf einen Blick: Farbkombinationen und ihre Wirkweisen
Die Farbenlehre zeigt uns, welche Farben gut zusammenpassen, sich gegenseitig zum Leuchten bringen und welche Kombinationen welche neuen Farben ergeben. Wir haben uns die Geschichte der Farbenlehre näher angesehen und geben dir einen Überblick darüber, was es mit Komplementär-, triadischen und Nichtfarben auf sich hat – natürlich immer in Bezug auf deinen Praxisalltag.
Die Geschichte der Farbenlehre: Von da Vinci bis Küppers
Farbe prägt unsere Wahrnehmung der Welt und war schon früh Gegenstand theoretischer Überlegungen. Die Farbenlehre entstand aus dem menschlichen Bedürfnis, Farben zu erklären, zu ordnen und systematisch nutzbar zu machen. Ihre Ursprünge reichen bis in die Antike zurück, viele grundlegende Modelle werden bis heute gelehrt.

Bereits Leonardo da Vinci ging von der Existenz grundlegender Farben aus, die zwischen Hell und Dunkel angeordnet sind. Isaac Newton betrachtete Farbe erstmals aus physikalischer Sicht und zeigte mit Hilfe eines Prismas, dass weißes Licht in ein Farbspektrum zerlegt werden kann. Daraus entwickelte er einen Farbkreis mit sieben Farben. Johann Wolfgang von Goethe widersprach diesem Ansatz und verstand Farbe als Ergebnis des Zusammenspiels von Licht und Finsternis. Seine Farbenlehre erschien 1810 und legte den Fokus stärker auf die menschliche Wahrnehmung.

Einen besonders einflussreichen Beitrag lieferte Johannes Itten am Bauhaus. Er formulierte das bis heute bekannte Modell der drei Primärfarben Gelb, Cyan-Blau und Magenta-Rot, aus denen sich alle weiteren Farben ableiten lassen. Dieses Prinzip findet sich noch heute in modernen Drucksystemen wieder. Harald Küppers ergänzte Ittens Ansatz später, indem er Schwarz und Weiß als eigenständige Größen einbezog und auf praktische Grenzen beim Farbmischen hinwies.
Trotz unterschiedlicher Modelle verfolgen alle Farbkreise ein gemeinsames Ziel: Sie ordnen Farben so, dass ihre Beziehungen sichtbar werden – etwa durch die Gegenüberstellung von Komplementärfarben oder die Nachbarschaft analoger Farbtöne.
Treat with Style | Bauhaus
Apropos Bauhaus, Farbe, Materialien und Interieur: Schau bei unserem Artikel in der Serie „Treat with Style“ vorbei und lass dich vom Stil des Bauhaus inspirieren.
Farbkombinationen in der Raumgestaltung: Von harmonisch bis kontrastreich
In der Raumgestaltung von Therapiepraxen spielen Farbkombinationen eine zentrale Rolle, da sie mehrere emotionale Reaktionen ansprechen sowie verbinden und somit eine facettenreiche Atmosphäre schaffen können. Um dir den Vergleich der unterschiedlichen Varianten anschaulich zu zeigen haben wir uns für eine Ausgangsfarbe entschieden, anhand derer wir dir die Kombinationen zeigen: ein strahlendes Königsblau.

Ein besonders einfacher Einstieg ist das Zusammenspiel von Farben mit sogenannten Nichtfarben wie Weiß, Grau oder Schwarz. Da viele Praxisräume zunächst neutral gehalten sind, lassen sich mit farbigen Teppichen, Bildern oder Möbeln schnell lebendige Akzente setzen. Diese gezielte Farbigkeit wirkt vitalisierend und freundlich, ohne den Raum zu überladen, und eignet sich besonders für Wartebereiche oder multifunktionale Behandlungsräume.

Ebenso wirkungsvoll ist der Kontrast zwischen hellen und dunklen Tönen. Unabhängig davon, ob Farbe eingesetzt wird oder nicht, erzeugt das Spiel aus Hell und Dunkel Tiefe, Struktur und Orientierung. In der Praxis kann dies helfen, Räume klar zu gliedern, Zonen zu definieren oder bestimmte Bereiche bewusst hervorzuheben – etwa einen Behandlungsplatz oder einen Ruhebereich.

Deutlich spannungsreicher wirkt die Kombination aus warmen und kalten Farben. Warme Töne wie Rot, Gelb oder Orange vermitteln Nähe, Energie und Aktivität, während kalte Farben wie Blau oder Blaugrün beruhigend und distanzierend wirken. In der Praxisgestaltung kann dieser Gegensatz gezielt eingesetzt werden, um unterschiedliche Stimmungen zu erzeugen, etwa Aktivität in Bewegungsräumen und Ruhe in Gesprächszonen. Da diese Kombination sehr individuell wahrgenommen wird, empfiehlt sich ein zurückhaltender, gut abgestimmter Einsatz.

Ein bewährtes Mittel für ausgewogene Farbkonzepte sind Komplementärfarben, also Farben, die sich im Farbkreis gegenüberliegen, wie beispielsweise Blau und Orange. Ihr Zusammenspiel wirkt auf das Auge oft harmonisch, da sich die Farben gegenseitig verstärken und ausgleichen. In Therapieräumen kann eine dominante Grundfarbe durch Akzente in der Komplementärfarbe ergänzt werden, um Lebendigkeit und Balance zu schaffen. Wichtig ist dabei, intensive Farbtöne dosiert einzusetzen, um Unruhe zu vermeiden.

Analoge Farben, die im Farbkreis nebeneinander liegen oder aus derselben Farbfamilie stammen, erzeugen ein ruhiges, stimmiges Gesamtbild. Ein Beispiel für analoge Farben ist die Kombination aus Rot und Violett. Auf den ersten Blick wirken die beiden Farbtöne recht unterschiedlich. Werden sie jedoch nebeneinander eingesetzt, entsteht ein überraschend stimmiges Gesamtbild. Der Grund dafür liegt in ihrer engen farblichen Verwandtschaft: Violett enthält einen Rotanteil und ist somit direkt aus der gleichen Farbfamilie abgeleitet.
Das menschliche Auge erkennt diese gemeinsame Basis unbewusst und nimmt die Kombination daher als zusammengehörig wahr. Statt eines harten Kontrasts entsteht ein harmonisches Farbspiel mit spannungsvoller Tiefe, das lebendig wirkt, ohne visuelle Unruhe zu erzeugen.

Triadische Farbkombinationen bestehen aus drei gleichmäßig im Farbkreis verteilten Farben und wirken lebendig, offen und fröhlich. In therapeutischen Kontexten werden sie vor allem in der Arbeit mit Kindern eingesetzt, da sie Kreativität und Spielfreude fördern.

Für größere Flächen empfiehlt sich auch hier eine zurückhaltende Umsetzung mit Pastell- oder soften Farbtönen, um die positive Wirkung zu erhalten, ohne visuelle Unruhe zu erzeugen.
💡 Tipp: Wenn du selbst unterschiedliche Farbkombinationen ausprobieren möchtest empfehlen wir dir einen Besuch auf htmlcolorcodes.com.
Materialkunde für die Praxis: Wie Texturen den Raum mitgestalten
Nicht nur die Wahl der Farbe ist bei der Gestaltung einer bestimmten Atmosphäre wichtig, sondern auch die der Materialien. Bei der Einrichtung einer Praxis ist dabei jedoch nicht nur auf persönliche Vorlieben und Gemütlichkeit zu achten, sondern auch auf Aspekte wie Praktikabilität, Hygiene und Ergonomie. Böden, die leicht zu reinigen sind, Oberflächen, die desinfiziert werden können, ohne Schaden zu nehmen, und stabile Materialien, die auch bei vielfacher Benutzung lange intakt und schön anzusehen bleiben, sind hier vorzuziehen. Doch auch unter diesen Aspekten muss man als Therapeutin oder Therapeut nicht auf Design verzichten. Wir geben dir einen Überblick über die Vor- und Nachteile einiger Materialien, um dir die Entscheidung für deine Praxiseinrichtung etwas zu erleichtern.
Helles Holz (z. B. Ahorn, Birke, Esche)

✅ Vorteile
- Wirkt freundlich, leicht und lässt kleine Räume größer erscheinen
- Vermittelt Natürlichkeit, Wärme und Offenheit
- Gut kombinierbar mit vielen Farben und Materialien
❌ Nachteile
- Weiche Holzarten sind anfälliger für Druckstellen und Kratzer
- Helle Oberflächen zeigen Verschmutzungen schneller
- Benötigt eine widerstandsfähige Versiegelung für den Praxisalltag
Dunkles Holz (z. B. Nussbaum, Eiche dunkel, Räuchereiche)

✅ Vorteile
- Wirkt hochwertig, ruhig und seriös
- Vermittelt Stabilität und Geborgenheit
- Unempfindlicher gegenüber kleinen Gebrauchsspuren
❌ Nachteile
- Kann Räume optisch verkleinern oder beschweren
- Benötigt ausreichend Licht, um nicht düster zu wirken
- Weniger geeignet für sehr kleine oder niedrige Räume
Naturstein allgemein

✅ Vorteile
- Sehr langlebig und robust
- Wirkt hochwertig, klar und zeitlos
- Pflegeleicht bei entsprechender Oberflächenbehandlung
❌ Nachteile
- Oft kühl in Haptik und Ausstrahlung
- Hart und fußkalt, ggf. unangenehm in Therapieräumen
- Höheres Gewicht und meist höhere Kosten
Keramik (z. B. Fliesen, Feinsteinzeug)

✅ Vorteile
- Sehr hygienisch und leicht zu reinigen
- Feuchtigkeits- und desinfektionsmittelbeständig
- Große Auswahl an Farben, Formen und Oberflächen
❌ Nachteile
- Wirkt schnell kühl und technisch
- Harte Oberfläche kann akustisch ungünstig sein
- Fugen können pflegeintensiv werden
Glas

✅ Vorteile
- Wirkt leicht, modern und offen
- Lässt Licht fließen und vergrößert optisch Räume
- Hygienisch und gut zu reinigen
❌ Nachteile
- Empfindlich gegenüber Fingerabdrücken
- Wirkt schnell kühl oder distanziert
- Geringe akustische Dämpfung
Stahl / lackierter Stahl

✅ Vorteile
- Sehr stabil und langlebig
- Modernes, klares Erscheinungsbild
- Lackierter Stahl kann farblich angepasst werden
❌ Nachteile
- Kühl in Ausstrahlung und Haptik
- Unlackierter Stahl kann anfällig für Kratzer oder Rost sein
- Wirkt ohne Kombination mit warmen Materialien schnell steril
Metall (z. B. Aluminium, Messing)

✅ Vorteile
- Robust und pflegeleicht
- Je nach Ausführung modern oder elegant
- Messing oder gebürstete Metalle wirken wärmer als Stahl
❌ Nachteile
- Glatte Metalle können kalt oder laut wirken
- Kratzer bleiben oft sichtbar
- Wenig wohnlich ohne ergänzende Materialien
Beton

✅ Vorteile
- Sehr widerstandsfähig und langlebig
- Moderner, reduzierter Look
- Kann eingefärbt oder versiegelt werden (auch für Böden)
❌ Nachteile
- Kühl und hart in Wirkung und Haptik
- Akustisch problematisch ohne Ausgleich
- Wirkt schnell dominant, wenn großflächig eingesetzt
Terrazzo

✅ Vorteile
- Extrem langlebig und pflegeleicht
- Lebendige, strukturierte Optik
- Große Farbvielfalt möglich
❌ Nachteile
- Wirkt unruhig bei großem Muster
- Hart und kühl unter den Füßen
- Höhere Anschaffungs- und Verarbeitungskosten
Marmor

✅ Vorteile
- Sehr hochwertig und elegant
- Zeitlos und repräsentativ
- Jede Oberfläche ein Unikat
❌ Nachteile
- Empfindlich gegenüber Säuren und Kratzern
- Pflegeintensiver als andere Steinarten
- Wirkt schnell kühl und distanziert
Rattan

✅ Vorteile
- Leicht, natürlich und freundlich
- Vermittelt Handwerklichkeit und Wärme
- Gut für Akzentmöbel geeignet
❌ Nachteile
- Weniger robust bei starker Beanspruchung
- Schwieriger zu reinigen
- Nicht ideal für hygienisch sensible Bereiche
Bouclé-Stoff

✅ Vorteile
- Weich, gemütlich und einladend
- Sehr wohnliche, beruhigende Wirkung
- Akustisch angenehm
❌ Nachteile
- Empfindlich gegenüber Flecken
- Schwer zu reinigen
- Für stark frequentierte Sitzmöbel nur bedingt geeignet
Baumwolle

✅ Vorteile
- Natürlich, atmungsaktiv und hautfreundlich
- Angenehme, vertraute Wirkung
- Gut kombinierbar
❌ Nachteile
- Fleckenanfällig
- Kann bei häufiger Nutzung schnell altern
- Weniger strapazierfähig als Mischgewebe
Wolle

✅ Vorteile
- Wärmend, beruhigend und hochwertig
- Sehr gute akustische Eigenschaften
- Schmutzabweisend durch natürliche Fettstruktur
❌ Nachteile
- Empfindlich gegenüber Feuchtigkeit
- Pflegeintensiver
- Höherer Preis
Plastik / Kunststoff

✅ Vorteile
- Leicht, vielseitig und kostengünstig
- Sehr pflegeleicht und hygienisch
- Große Farb- und Formvielfalt
❌ Nachteile
- Wirkt schnell künstlich oder billig
- Geringere Nachhaltigkeit
- Altert optisch schneller
Linoleum

✅ Vorteile
- Natürliches Material (Leinöl, Korkmehl, Harze)
- Warm, elastisch und angenehm zu begehen
- Hygienisch und langlebig
❌ Nachteile
- Empfindlich gegenüber stehender Feuchtigkeit
- Fachgerechte Verlegung nötig
- Begrenztere Optik als Designböden
Kork

✅ Vorteile
- Warm, weich und gelenkschonend
- Sehr gute Schalldämmung
- Natürlich und nachhaltig
❌ Nachteile
- Druckempfindlich
- Weniger geeignet für schwere Geräte
- Begrenzte Designvielfalt
Filz

✅ Vorteile
- Akustisch wirksam
- Warm und beruhigend
- Gut für Wandpaneele oder Accessoires
❌ Nachteile
- Empfindlich gegenüber Schmutz
- Nicht feuchtigkeitsresistent
- Eher als Akzentmaterial geeignet
Leder (Echtleder und hochwertiges Kunstleder)

✅ Vorteile
- Wirkt hochwertig, ruhig und vertrauensbildend
- Sehr langlebig und bei guter Qualität äußerst robust
- Glatte Oberflächen sind hygienisch und leicht zu reinigen
❌ Nachteile
- Hochwertiges Echtleder ist kostenintensiv
- Empfindlich gegenüber direkter Sonneneinstrahlung
- Benötigt regelmäßige Pflege, um geschmeidig zu bleiben
Persönlicher Stil trifft Praxisalltag: Gestaltung mit Kreativität und Weitblick
Bei all den Dingen, die es bei der Wahl unterschiedlicher Materialien zu beachten gilt: Eine funktionale Praxiseinrichtung muss nicht nüchtern oder austauschbar sein. Wer bereit ist, kreativ zu denken und Materialien bewusst einzusetzen, kann persönliche Designvorlieben integrieren, ohne dabei Hygiene, Langlebigkeit oder Alltagstauglichkeit zu vernachlässigen. Oft sind es gerade die durchdachten Details und ungewöhnlichen Lösungen, die einer Praxis Charakter verleihen und sie von rein funktionalen Räumen abheben.
So lassen sich im Therapieraum beispielsweise kleinere Teppiche einsetzen, die problemlos in der Waschmaschine gereinigt werden können. Sie bringen Wärme, Farbe und Struktur in den Raum, verbessern die Akustik und können je nach Bedarf ausgetauscht werden. Ähnlich funktionieren textile Elemente an den Wänden: Wandteppiche oder spezielle Stofftapeten ermöglichen es, weiche Materialien in die Raumgestaltung einzubeziehen, ohne hygienische Anforderungen zu vernachlässigen. Gleichzeitig sorgen sie für eine angenehme Schallabsorption und eine ruhigere Gesprächsatmosphäre.
Auch der bewusste Umgang mit Farbe eröffnet viele Gestaltungsmöglichkeiten. Statt auf klassische, oft sterile Lösungen zurückzugreifen, können robuste Materialien farblich individualisiert werden: Ein Betonboden im Wartebereich muss nicht grau sein, sondern kann in einem eleganten Grün oder warmen Erdton eingefärbt werden. Lackierter Stahl darf Farbe zeigen, ein Ledersofa kann in Beige, Cognac oder Salbeigrün gewählt werden statt in klassischem Schwarz. Selbst kleinere Elemente wie Wassergläser, Tassen oder farbig glasierte Fliesen in Bad und WC tragen zur Gesamtwirkung bei und schaffen Wiedererkennung, ohne die Funktionalität einzuschränken.
Ein weiterer Ansatz ist die bewusste Trennung zwischen öffentlich genutzten und privaten Bereichen. In Zonen, die ausschließlich von der Therapeutin oder dem Therapeuten selbst genutzt werden – etwa in der Küche, im Büro oder beim eigenen Schreibtischstuhl –, dürfen Materialien persönlicher, weicher oder auch empfindlicher sein. Hier können individuelle Vorlieben stärker ausgelebt werden, ohne dass sie dem täglichen Patientenbetrieb standhalten müssen. Diese Rückzugsorte wirken ausgleichend und unterstützen das eigene Wohlbefinden im Arbeitsalltag.
Ergänzend dazu können multifunktionale Möbel, abnehmbare Bezüge, modulare Elemente oder bewusst gesetzte Akzentmaterialien helfen, Design und Funktion in Einklang zu bringen. Pflanzen, Leuchten mit warmem Licht oder handwerklich wirkende Details runden das Gesamtbild ab und schaffen eine Atmosphäre, die professionell wirkt und dennoch Persönlichkeit zeigt.
So entsteht eine Praxis, die nicht nur gut funktioniert, sondern sich auch stimmig, durchdacht und authentisch anfühlt – für Patientinnen und Patienten ebenso wie für die Menschen, die dort täglich arbeiten.
Best in Practice | SOO.med
Ein gelungenes Beispiel für das Zusammenspiel von Farben, Materialien und Licht ist das Interior Design des Ordinations- und Operationszentrums SOO.med in Wien – gestaltet von MEGATABS architekten.
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