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Grüne Praxis mit Weitblick: Im Podcast-Talk mit Nachhaltigkeits-Expertin Birgit Jax

In der dritten Staffel des hashtagPRAXIS Podcasts – hosted by appointmed: Birgit Jax im Gespräch darüber, wie man Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein im Praxisalltag mitdenken und integrieren kann.

Nachhaltigkeit ist mehr als ein Trend – sie ist eine Notwendigkeit. Doch wie lässt sich ein umweltbewusstes, ethisches und wirtschaftlich nachhaltiges Geschäftsmodell in der Praxis umsetzen? Welche kleinen und großen Veränderungen machen den Unterschied? Und worauf sollte man achten, wenn man sich Beratung zu nachhaltigen Strategien holt? Besonders für Selbstständige und kleinere Unternehmen wie Gemeinschaftspraxen stellt sich oft die Frage, welche Maßnahmen wirklich sinnvoll und realistisch sind. Birgit Jax, Expertin für nachhaltiges Wirtschaften, spricht im hashtagPRAXIS Podcast – hosted by appointmed – mit Adela über praxisnahe Lösungen und inspirierende Erfolgsgeschichten. Hier steht Nachhaltigkeit im Mittelpunkt – von ressourcenschonender Mobilität bis hin zu ethischem Geschäftsverhalten.

Du möchtest dir diesen und andere Talks unseres Podcasts – hosted by appointmed – doch lieber anhören?


Ich freue mich total, dass du heute hier bist! Stell dich doch bitte kurz vor.

Sehr gerne! Ich bin Birgit Jax, manche nennen mich auch „B”, ausgesprochen wie Bee, die Biene. Ich beschäftige mich leidenschaftlich mit Nachhaltigkeit und Regeneration. Beruflich bin ich Coach für Business und Karriere mit einem naturgestützten Ansatz. In den letzten Jahren habe ich in der Unternehmensberatung Organisationen mit Expertinnen und Experten für Nachhaltigkeitsprojekte vernetzt. Aktuell studiere ich Green Care, ein Bereich der sozialen Nachhaltigkeit, der Mensch, Tier und Natur verbindet. Ich lebe im Wohnprojekt Grüner Markt im Sonnwendviertel und verbringe Zeit im Mühlviertel auf dem Winklergut – einem Hof und Seminarort für Regeneration, wo wir ein Community-Programm begleiten.

Man hört deine Begeisterung für Nachhaltigkeit heraus – sie zieht sich durch dein ganzes Leben! Lass uns über Nachhaltigkeit und CSR sprechen. Kannst du als Expertin erklären, was dahintersteckt?

Nachhaltigkeit bedeutet, Ressourcen so zu nutzen, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse decken können. CSR – Corporate Social Responsibility – beschreibt die Verantwortung von Unternehmen gegenüber Gesellschaft und Umwelt. Eng damit verknüpft ist ESG – Environmental, Social and Governance –, ein Konzept mit messbaren Kriterien für nachhaltige Investitionen. Während Nachhaltigkeit das Bestehende erhält, geht die Regeneration weiter: Sie möchte aktiv verbessern, zurückgeben und ein gesundes Ökosystem wiederherstellen. Ähnlich wie Supplements in der Gesundheit helfen, einen Mangel auszugleichen, trägt Regeneration dazu bei, die Schäden der vergangenen Jahrzehnte zu reparieren.

Super Überleitung zu unserem Podcast-Thema – wie Therapeutinnen und Therapeuten ihr Business nachhaltig gestalten können. Welche einfachen Schritte gibt es für Selbstständige im Gesundheitsbereich?

Wichtig ist, sich bewusst zu machen, wo wir Teil des Problems und wo Teil der Lösung sind. Erfolg allein reicht nicht mehr, wir müssen auch nachhaltig handeln. In der Praxis heißt das, umweltfreundlicher arbeiten, soziale Verantwortung übernehmen und ethisch wirtschaften. Lass uns konkrete Beispiele durchgehen – Adela, du kennst die Community gut. Was fällt dir dazu ein?

Stellen wir uns vor, ich betrete als selbstständige Therapeutin meine Praxis und lasse meinen Blick durch den Raum schweifen. Ich beginne mit der Beleuchtung – welche Lichtquellen nutze ich? Sind meine Lampen mit energieeffizienten LED-Leuchtmitteln ausgestattet? Nutze ich das Tageslicht ausreichend oder könnte ich durch eine bewusstere Platzierung meiner Möbel mehr natürliches Licht in den Raum lassen? Während ich weiterblicke, fällt mein Blick auf meinen Schreibtisch. Sind meine technischen Geräte wirklich ausgeschaltet oder verbleiben sie oft im Standby-Modus und verbrauchen unnötig Strom? Vielleicht kann ich eine schaltbare Steckdosenleiste verwenden, um mit einem Handgriff alle Geräte vom Netz zu trennen, wenn ich sie nicht benötige.

Mein Blick wandert weiter zu den Dokumenten auf meinem Schreibtisch. Hier stellt sich die Frage, ob meine Praxis wirklich noch auf Papier angewiesen ist oder ob ich schon weitgehend digital arbeite. Kann ich meine Patientenakten und Terminplanungen elektronisch verwalten, statt mit gedruckten Akten und Kalendern zu hantieren? Statt Rechnungen und Befunde auf Papier zu drucken, könnte ich sie sicher und effizient per E-Mail versenden. So ließe sich nicht nur Papier, sondern auch Druckertinte und Strom für den Drucker einsparen.

Nun gehe ich weiter in den Wartebereich und frage mich, welche Materialien ich dort verwende. Stehen Plastikflaschen für Wasser bereit oder habe ich eine nachhaltige Lösung wie Glasflaschen oder eine Karaffe mit gefiltertem Leitungswasser? Und wie sieht es mit den Hygieneprodukten aus – sind die Seifen und Reinigungsmittel, die ich verwende, biologisch abbaubar und umweltfreundlich? Selbst kleine Details wie die Wahl von recyceltem Toilettenpapier können einen Unterschied machen.

Genau, daran sieht man, wie schnell wir auf zahlreiche Aspekte kommen, bei denen wir nachhaltiger werden können! Auch der Energieanbieter spielt eine Rolle. Eine ehemalige Kollegin von mir hat die Geräte im Büro mit einem Zähler überprüft und herausgefunden, dass ein Bildschirm, den wir sehr selten genutzt haben, der aber trotzdem ständig im Standby-Modus am Strom hing, unnötig Energie verbraucht hat. Es geht also darum, versteckte Einsparpotenziale zu entdecken – ein echter Erfolgsmoment, wenn man sieht, was im Vergleich zum Vorjahr reduziert werden konnte. Beim Thema Paperless Office spielt auch die PatientInnen- oder KlientInnen-Perspektive eine Rolle: Wie lässt sich die Betreuung möglichst angenehm und effizient gestalten? Automatisierte Termineinladungen sparen Zeit, wobei es natürlich Ausnahmen für weniger digital affine Personen geben sollte. Der Umstieg auf ein papierloses Büro mag eine Umstellung sein, zahlt sich aber aus. Wichtig dabei: regelmäßige Backups, um Dokumente sicher zu bewahren.

Das ist auch ein wichtiger Teil von appointmed: automatische Backups, damit du sicher bist und dich hier um nichts weiter kümmern musst. Wenn ich mich in meiner Praxis umschaue, kann ich mich auch fragen: Welche Materialien nutze ich täglich? Von umweltfreundlichen Reinigungsmitteln bis hin zu recyceltem Toilettenpapier gibt es viele kleine Stellschrauben. Oder zum Beispiel Wasserflaschen für Patientinnen und Patienten – warum nicht Glas statt Plastik? Es sind oft die kleinen Dinge im Alltag, die einen Unterschied machen. Was meinst du dazu?

Viele Praxen tun sich zusammen, um Materialien in größeren Mengen zu bestellen – das spart nicht nur Kosten, sondern ermöglicht auch das Teilen bestimmter Dinge. Eine weitere Möglichkeit sind Nachfüllstationen und/oder Konzentrate, bei denen nur Wasser ergänzt wird, anstatt ständig neue Verpackungen zu kaufen. So spart man Verpackungsmaterial und Logistikkosten. Vieles davon ist eigentlich Hausverstand – wir wissen es alle, aber die Erinnerung daran hilft. Ich höre dann oft: Aber eine einzelne Sprühflasche macht doch keinen riesigen Unterschied. Aber es geht um die Haltung dahinter. Jede kleine Veränderung kann eine größere Wirkung haben, als wir denken. Deshalb: Überlegt euch, was in eurer Praxis Sinn macht. Tauscht euch aus – wie gestalten andere bereits ihre Praxis nachhaltiger? Neben Mülltrennung und dem Vermeiden von Einwegprodukten geht es auch darum, Ressourcen zu reduzieren und sich das Leben einfacher zu machen. Vielleicht gibt es Dinge, die ihr nicht mehr braucht und an andere weitergeben könnt? Auch das gehört zur Nachhaltigkeit – Dinge länger nutzen und teilen. Man kann z. B. ungenutzte Möbel oder Materialien verschenken oder Tauschbörsen nutzen. Alles, was vorhanden ist, sollte bestmöglich genutzt werden.

Absolut. Das eignet sich vor allem nicht nur im privaten Bereich, sondern besonders in Gruppenpraxen. Dort können nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch Arbeitsgeräte gemeinsam genutzt werden. Statt fünfmal die gleichen Utensilien zu bestellen, könnte man sich überlegen, sie nur zwei- oder dreimal anzuschaffen und im Praxisraum zu lassen, sodass sie von mehreren genutzt werden können. Das spart Ressourcen und schafft nachhaltigeres Arbeiten. Apropos Nachhaltigkeit – du hast vorher euer Projekt „Wohnen im Grünen Markt” erwähnt. Ich finde euer Konzept des Teilens und gemeinsamen Nutzens von Ressourcen unglaublich spannend. Magst du dazu noch ein paar Worte sagen?

Ja, sehr gerne. Ich bin vor fünf Jahren in das Wohnprojekt eingezogen, ohne zuvor Erfahrung mit Gemeinschaftswohnen gehabt zu haben. Heute leben wir hier mit 75 Erwachsenen und rund 35 Kindern – also ein kleines Dorf mitten in der Stadt. Wir organisieren uns digital über Slack, wo es einen eigenen Channel namens „Tauschen, Teilen, Helfen“ gibt. Dort können wir uns gegenseitig Dinge leihen, die wir nur gelegentlich brauchen. Ein Beispiel: Ich war letztes Jahr auf Wanderurlaub und hatte eine Liste mit Ausrüstungsgegenständen, die mir fehlten. Ich habe sie in diesem Channel gepostet und innerhalb von 24 Stunden haben mir Nachbarn und Nachbarinnen alles zur Verfügung gestellt, was ich brauchte. Ich musste nichts kaufen und konnte gleichzeitig die Beziehungen in der Gemeinschaft stärken. Als kleines Dankeschön habe ich den Helfenden eine Kleinigkeit zurückgegeben. Diese Art des Teilens funktioniert nicht nur im privaten Bereich, sondern auch im beruflichen Umfeld. In Coworking-Spaces, Gruppenpraxen oder anderen Gemeinschaften lässt sich dieses Prinzip ebenso gut umsetzen. Ein Beispiel aus unserer hypothetischen Gemeinschaftspraxis: Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut hat ein teures Spezialgerät angeschafft, das sie oder er aber nur an bestimmten Tagen nutzt. Statt es ungenutzt herumstehen zu lassen, stellt er es seinen Kolleginnen und Kollegen an seinen freien Tagen zur Verfügung. So kann sie oder er die Kosten besser refinanzieren und gleichzeitig das Arbeitsumfeld bereichern. Es geht letztendlich darum, den Horizont zu erweitern und zu überlegen: Wie kann ich nicht nur für mich, sondern für die Gemeinschaft nachhaltig wirtschaften?

Ein wunderschönes Beispiel! Ich möchte nun von materiellen Dingen, die man teilen kann, zu Wissen und Ideen überleiten. Welche weiteren nachhaltigen Ansätze siehst du für eine grüne Praxis?

Wissen und Fortbildungen sind entscheidend. Die Frage ist, wie ich das, was ich gelernt habe, nicht nur für mich selbst nutze, sondern es auch weitergeben kann. Nachhaltigkeit und Regeneration werden immer relevanter – nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Gesundheit. Viele Krankheiten, die mit der Klimakrise einhergehen, erfordern eine gute Begleitung durch Therapeutinnen und Therapeuten. Hier stellt sich die Frage: Wie können wir resilienter werden und mit den multiplen Krisen unserer Zeit umgehen? Ein Ansatz wäre, sich nicht allein fortzubilden, sondern dies gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen zu tun.

Genau! Der Austausch in einer Gruppenpraxis oder mit Fachkolleginnen und -kollegen kann enorm wertvoll sein. Wenn ich an einem Workshop teilnehme, kann ich mein Wissen weitergeben. Und man kann noch weitergehen: Warum nicht in Volkshochschulen, Krankenhäusern oder anderen Gesundheitseinrichtungen Vorträge zum Thema Nachhaltigkeit halten? Oder in Gemeinden kostenlose Nachhaltigkeits-Checks für lokale Praxen anbieten? Das wäre eine Möglichkeit, Wissen weiterzugeben und einen nachhaltigen Beitrag zu leisten.

Absolut! Ein spannendes Feld in diesem Zusammenhang ist Green Care. Dabei geht es um Gesundheitsförderung und Prävention durch den gezielten Einsatz von natur- und tiergestützten Therapieformen. Dieser Bereich wächst stark, und ich kann nur empfehlen, sich hier weiterzubilden.

Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Weiterbildung in nachhaltigen Bereichen, sei es Green Care, Healing Architecture oder Planetare Gesundheit – Themen, die auch im Online-Magazin hashtagPRAXIS präsentiert wurden – bringt neue Perspektiven. Das zeigt, dass es viel Wissen gibt, aber die Herausforderung oft darin liegt, es zusammenzuführen und praktisch anzuwenden.

Ganz genau! Und wenn wir über Räume sprechen, sollten wir auch den Blick über die Praxisräume hinaus erweitern. Warum nicht Angebote im Freien machen? Gartentherapie, Waldbaden oder sogar Seminare auf landwirtschaftlichen Betrieben sind Möglichkeiten, natürliche Elemente in die Therapie einzubinden. Ein Spaziergang in der Natur kann Teil einer Behandlung sein – all das sind nachhaltige Ansätze.

Bei unserer heutigen Diskussion über die grüne Praxis geht es nicht nur um Umweltfreundlichkeit, sondern auch um soziale Verantwortung. Ich habe beobachtet, dass viele unserer Kundinnen und Kunden bei appointmed freiwillige oder vergünstigte Leistungen in sozialen Einrichtungen anbieten. Wir selbst unterstützen NGOs mit stark rabattierten Tarifen. Es lohnt sich also zu überlegen: Wie kann ich der Gemeinschaft etwas zurückgeben? Wie kann ich meine Leistungen so gestalten, dass sie für alle zugänglich sind?

Genau! Und es geht auch darum, regionale Projekte zu unterstützen oder selbst zu initiieren. Viele tun das bereits, aber es ist wichtig, darüber zu sprechen: Was verändert sich dadurch? Für manche ist es eine große Motivation, zu wissen, dass sie nicht nur Einzelpersonen helfen, sondern einen sozialen Beitrag leisten. Menschen, die benachteiligt sind, können so dennoch Zugang zu bestimmten Angeboten erhalten.

Noch zwei Punkte zum Abschluss. Der Trend geht eindeutig in Richtung nachhaltige Mobilität. Es ist also auch eine Überlegung wert, wie man Patientinnen und Patienten erreicht – sei es durch die Wahl eines gut erreichbaren Praxisstandorts oder durch Anreize für öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder. Mich interessiert: Was denkst du über grüne Mobilität?

Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass es mir besser geht, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin. Es ist simpel, aber es verbindet den Weg von A nach B mit Bewegung und frischer Luft. In Österreich haben wir zudem ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz – das Klimaticket macht nachhaltige Mobilität erschwinglich. Und es geht auch um das Image: Wer sich für nachhaltige Mobilität entscheidet, setzt ein Zeichen. Das heißt nicht, dass man nie wieder ein Auto nutzen darf, aber es geht darum, bewusste Entscheidungen zu treffen. Wer doch fliegt oder Auto fährt, kann CO₂-Ausgleichsprojekte unterstützen – etwa Aufforstungs- oder Moorschutzprojekte. Moore sind extrem wichtige CO₂-Speicher, und die EU fördert ihre Renaturierung. Ein gesundes Ökosystem kommt uns allen zugute – und wir sind ein Teil davon.

Auf jeden Fall, das kann ich nur unterschreiben. Es ist jedoch klar, dass grüne Mobilität nicht überall so einfach umsetzbar ist, wie man es sich wünschen würde. Du hast das Thema Auto bereits angesprochen. Man kann sich aber überlegen, ob Carsharing eine Option wäre oder ob man mit Kolleginnen und Kollegen oder Nachbarinnen und Nachbarn Fahrgemeinschaften bildet. Auch eine optimierte Routenplanung kann helfen, Wege effizienter zu gestalten, indem man mehrere Erledigungen in einer Fahrt kombiniert. Das sind spontane Gedanken, die mir dazu einfallen.

Genau! In unserem Gemeinschaftsprojekt nutzen wir beispielsweise Lastenräder, die für Transporte sehr praktisch sind. Es ist eine tolle Erfahrung, wenn man das noch nie ausprobiert hat. Außerdem teilen wir in unserem Wohnhaus Autos. Zum einen gibt es E-Autos, die wir gemeinsam mit einem anderen Haus buchen können. Zum anderen stellen Personen, die ein eigenes Auto haben, es auch anderen zur Verfügung. Wenn ich also spontan irgendwohin muss, kann ich fragen: „Ist das Auto frei?“ So wird das Prinzip des Teilens auch auf die Mobilität ausgeweitet. Schließlich stehen Autos oft ungenutzt herum – warum diese Zeit nicht effizient nutzen?

Wir haben nun über die Optimierung physischer Ressourcen für eine nachhaltige Praxis gesprochen und sind dann zur Haltung und Einstellung übergegangen. Jetzt möchte ich noch einen weiteren Aspekt ansprechen: Unternehmerisches Handeln mit ethischem Geschäftsverhalten und langfristiger Nachhaltigkeit. Wie du bereits erwähnt hast: Die Haltung und Einstellung sind entscheidend. Möchtest du noch etwas zu ESG oder weiteren praxisrelevanten Punkten hinzufügen, bevor wir zum nächsten Thema übergehen?

Gerne! Ein wichtiger Punkt ist, sich die eigene Situation genau anzusehen, Daten zu sammeln und darauf basierend strategisch zu handeln. Es gibt unzählige nachhaltige Maßnahmen, doch es ist entscheidend, sich nicht zu überfordern. Stattdessen sollte man überlegen: Was ist für meine Selbstständigkeit oder mein Unternehmen sinnvoll? Welche Maßnahmen kann ich kurzfristig umsetzen und welche sind eher langfristig angelegt? Nachhaltigkeit bedeutet auch, Ressourcen schonend einzusetzen – sowohl materiell als auch energetisch. Es muss nicht alles sofort passieren. Eine schrittweise Umsetzung und eine gute Planung helfen dabei, nachhaltige Maßnahmen realistisch und wirkungsvoll zu gestalten. Zudem kann Kooperation eine große Rolle spielen. Es geht nicht darum, alles allein zu bewältigen, sondern sich Unterstützung zu holen, Wissen zu teilen und gemeinsam Projekte umzusetzen. Das stärkt nicht nur das Wir-Gefühl, sondern macht das Ganze auch motivierender und erfolgreicher.

Absolut! Die Gemeinschaft kann ein großer Motivationsfaktor sein. Angenommen, eine Therapeutin, ein Therapeut oder eine Gruppenpraxis möchte sich in puncto Nachhaltigkeit beraten lassen – worauf sollte bei der Wahl der richtigen Unterstützung geachtet werden?

Es gibt vier zentrale Aspekte, die man beachten sollte, wenn man externe Unterstützung sucht:

Fachliche Expertise

Die Beratung sollte branchenspezifische Erfahrung haben, beispielsweise im Gesundheitssektor. Qualifikationen im Nachhaltigkeitsmanagement, Zertifizierungen und Referenzen zu ähnlichen Projekten sind Indikatoren für die Kompetenz einer Beratung.

Persönliche Passung

Die Chemie zwischen Auftraggebenden und Beratungsperson muss stimmen. Ein vertrauensvolles Verhältnis ist essenziell für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Der Beratungsstil sollte zur Unternehmenskultur passen und eine klare, sachliche Kommunikation ermöglichen.

Zieldefinition und realistische Planung

Es sollte von Anfang an klar sein, welche Ziele verfolgt werden, wie viel Zeit und Budget realistisch sind und welche Meilensteine erreicht werden sollen. Dadurch lassen sich spätere Missverständnisse und unnötige Anpassungen vermeiden.

Nachhaltiger Nutzen der Beratung

Die Investition in Beratung sollte sich mehrfach lohnen – sei es finanziell, ökologisch oder durch immaterielle Vorteile wie eine bessere Reputation oder eine gesteigerte Mitarbeiterzufriedenheit. Eine gute Beratung hilft dabei, langfristige Vorteile zu generieren und das Unternehmen zukunftssicher aufzustellen.

Zusätzlich sollte die Beratung einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen: Wird nur das Unternehmen betrachtet oder auch die persönliche Entwicklung der Beteiligten? Werden ökologische, soziale und ökonomische Aspekte sinnvoll miteinander verknüpft? Branchenverständnis und ein starkes Netzwerk sind weitere Pluspunkte, die eine Beratung wertvoll machen. Schließlich sollte auch nach Abschluss der Zusammenarbeit ein gewisser Support oder Zugang zu relevanten Ressourcen bestehen.

Hast du ein Beispiel aus deiner Arbeit, bei dem du einen echten Wandel begleiten konntest?

Ja, ich erinnere mich an ein Projekt im Gesundheits- und Sozialbereich, bei dem eine Organisation ihre finanzielle Nachhaltigkeit verbessern wollte. Sie planten die Erweiterung eines Bereichs und benötigten dafür eine stabile Finanzierung. In diesem Zuge entschieden sie sich, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln und ihre aktuelle Situation genau zu analysieren. Dieser Prozess führte nicht nur zur erfolgreichen Finanzierung, sondern machte die Organisation auch zu einem Vorzeigeprojekt in ihrer Branche. Natürlich war es ein herausfordernder Weg, aber das Team war am Ende stolz auf das Erreichte. Eine zentrale Erkenntnis war, dass echte Nachhaltigkeit oft bedeutet, sich mit unangenehmen Fragen auseinanderzusetzen und bestehende Strukturen mutig zu hinterfragen. Nachhaltigkeit ist nicht nur ein grünes Image oder Mülltrennung – es geht darum, das eigene Fundament langfristig zu verbessern.

Wenn du unser gesamtes Gespräch auf einen einzigen Tipp herunterbrechen müsstest – was wäre dein wichtigster Ratschlag?

Nachhaltigkeit bedeutet Freude, neue Verbindungen und langfristigen Mehrwert. Ich möchte einen Grundsatz aus der Permakultur teilen, der sich auf viele Bereiche anwenden lässt: „Sorge für die Erde, sorge für die Menschen, reduziere und teile gerecht.“ Das fasst fast alles zusammen, worüber wir heute gesprochen haben.

Ein wunderbares Fazit! Zum Abschluss: Wo kann man mehr über dich und deine Arbeit erfahren?

Man findet mich unter birgitjax.com sowie auf LinkedIn und Instagram. Ich freue mich über Vernetzung und den Austausch mit Gleichgesinnten!

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