Warum dein Zyklus kein Störfaktor für dein Workout ist, sondern dein heimlicher Trainingsplan
Kennst du das? An einem Tag fühlst du dich beim Training unbesiegbar, stemmst mit Leichtigkeit schwere Gewichte – und ein paar Tage später reicht schon der Gedanke an eine Kniebeuge, um dich erschöpft aufs Sofa fallen zu lassen. Die meisten Frauen erklären sich solche Schwankungen mit fehlender Disziplin, schlechtem Schlaf oder einfach einem „Motivationstief“. Was dabei oft übersehen wird: Ein ziemlich mächtiger Taktgeber sitzt direkt in deinem Hormonsystem – dein Menstruationszyklus.
Genau hier setzt das Konzept des zyklusbasierten Trainings an. Die Grundidee ist eigentlich simpel: Dein Körper durchläuft im Laufe eines Zyklus vier Phasen, in denen sich die Konzentration der Hormone Östrogen und Progesteron immer wieder verschiebt. Diese beiden Hormone mischen bei Energielevel, Muskelaufbau, Regeneration, Stimmung und sogar der Stabilität deiner Bänder kräftig mit. Wer diese Schwankungen kennt, kann sein Training entsprechend timen – intensiv, wenn der Körper bereit dafür ist, und ruhiger, wenn er nach Erholung verlangt.
Zyklusbasiertes Training bedeutet also vor allem, die Trainingsintensität klug zu steuern, statt stur nach Kalender oder Trainingsplan zu trainieren, egal wie du dich fühlst. Die meisten Frauen, die sich damit beschäftigen, berichten von einem besseren Körpergefühl, weniger Frust über „schlechte“ Trainingstage und manchmal sogar von spürbar weniger Regelbeschwerden.
Bevor wir in die vier Phasen eintauchen, noch ein ehrlicher Disclaimer: Die Wissenschaft ist in Sachen zyklusbasiertes Training erst am Anfang ihrer Erkenntnisse – dazu später mehr. Aber genug der Vorrede, schauen wir uns an, was in deinem Körper tatsächlich passiert und wie du das für dich nutzen kannst.
Inhalt
- Quick Read
- Die Basics: Was steuert deinen Zyklus eigentlich?
- Phase 1 | Menstruation (Tag 1 bis ca. Tag 5) – dein innerer Winter
- Phase 2 | Follikelphase (ca. Tag 6 bis 13) – Frühlingsgefühle im Körper
- Phase 3 | Ovulation (ca. Tag 14 bis 16) – Summer is coming
- Phase 4 | Lutealphase (ca. Tag 17 bis 28) – der Herbstblues
- Was sagt die Wissenschaft eigentlich wirklich dazu?
- Individuelle Symptome und Psyche: Der Faktor, der oft unterschätzt wird
- So startest du in der Praxis: 5 Tipps für den Einstieg
- Trainiere mit deinem Zyklus, nicht gegen ihn
- Häufig gestellte Fragen zum zyklusbasierten Training
Quick Read
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Dein Zyklus ist mehr als nur die Tage deiner Periode – er ist ein hormoneller Taktgeber, der Energie, Kraft und Regeneration über vier Phasen hinweg spürbar verändert. Statt jede Woche stur denselben Trainingsplan durchzuziehen, kannst du Intensität und Sportart gezielt an Menstruation, Follikelphase, Ovulation und Lutealphase anpassen. Wichtig dabei: Die Studienlage ist noch jung, und am Ende zählt dein eigenes Körpergefühl mehr als jede Faustregel. (Weiterlesen …)
- Menstruation (Tag 1–5): Östrogen und Progesteron sind auf einem Tiefpunkt, Energie und Schmerztoleranz sinken oft spürbar. Statt intensiver Einheiten tun jetzt sanfte Bewegungsformen gut. Faustregel: Spazierengehen, Yoga oder lockeres Cardio statt Sprints und schwerem Krafttraining.
- Follikelphase (Tag 6–13): Der steigende Östrogenspiegel wirkt wie ein Motivationsschub und fördert Muskelaufbau sowie Insulinsensitivität. Faustregel: die ideale Phase für Krafttraining, HIIT und neue sportliche Ziele.
- Ovulation (Tag 14–16): Östrogen erreicht seinen Höhepunkt, du fühlst dich oft besonders stark – gleichzeitig sind Bänder und Sehnen lockerer. Faustregel: intensives Training ja, aber mit gründlichem Aufwärmen gegen das leicht erhöhte Verletzungsrisiko.
- Lutealphase (Tag 17–28): Progesteron übernimmt, die Körpertemperatur steigt leicht und viele fühlen sich schneller erschöpft. Faustregel: moderates Training, mehr Technikfokus und bewusst mehr Regenerationszeit einplanen.
- Studienlage: Die Forschung zu zyklusbasiertem Training ist jung und uneinheitlich – große Metaanalysen finden bislang keine überzeugenden Belege für pauschale Trainingsvorteile je Zyklusphase. Faustregel: als grobe Orientierung nutzen, nicht als starres Gesetz.
- Psyche und individuelle Symptome: Motivation, Stress, Schlaf und persönliches Empfinden beeinflussen dein Training oft mindestens genauso stark wie die Hormone selbst. Faustregel: dein eigenes Körpergefühl darf immer das letzte Wort haben.
Die Basics: Was steuert deinen Zyklus eigentlich?
Ein durchschnittlicher Menstruationszyklus dauert etwa 28 Tage, kann aber ganz normal zwischen 21 und 35 Tagen schwanken – und das sogar von Zyklus zu Zyklus bei ein und derselben Person. Der erste Tag deiner Periode markiert dabei immer den Start eines neuen Zyklus.
Die zwei wichtigsten hormonellen Hauptdarsteller sind Östrogen und Progesteron. Östrogen dominiert die erste Zyklushälfte und wirkt eher aufbauend (anabol): Es unterstützt die Verfügbarkeit von Serotonin, fördert den Muskelaufbau und verbessert die Insulinsensitivität, wodurch dein Körper Kohlenhydrate effizienter als Energiequelle nutzen kann. Nach dem Eisprung übernimmt Progesteron das Ruder. Dieses Hormon wirkt eher abbauend (katabol), bereitet den Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vor und lässt viele Frauen sich müder und weniger belastbar fühlen. Es erhöht außerdem leicht die Körperkerntemperatur und macht Bänder und Sehnen etwas nachgiebiger.
Klingt kompliziert? Ist es im Detail auch – aber im Alltag lässt sich das Prinzip auf eine simple Formel herunterbrechen: Steigt Östrogen, steigt meist auch deine Leistungsfähigkeit. Dominiert Progesteron, darf es gerne etwas ruhiger zugehen.
Phase 1 | Menstruation (Tag 1 bis ca. Tag 5) – dein innerer Winter

Was passiert im Körper?
Mit dem ersten Tag deiner Periode beginnt offiziell ein neuer Zyklus. Östrogen und Progesteron befinden sich beide auf einem echten Tiefpunkt, die zuvor aufgebaute Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen. Kein Wunder also, wenn du dich in diesen Tagen eher energielos, schlapp oder emotional dünnhäutig fühlst. Manche spüren zusätzlich Unterleibskrämpfe, die auch in den Rücken ausstrahlen können. Trainierst du in dieser Phase zu intensiv, kann das theoretisch deinen Hormonhaushalt zusätzlich belasten und Regelbeschwerden eher verstärken als lindern.
Wichtig: Sehr starke Menstruationsbeschwerden sind kein Schicksal, das du einfach hinnehmen musst, und können ein Zeichen für zusätzliche gesundheitliche Faktoren wie Endometriose sein. Bei anhaltend heftigen Schmerzen sollte unbedingt eine Gynäkologin oder ein Gynäkologe aufgesucht werden.
Welches Training passt jetzt?
Statt dich zum Sprinttraining zu zwingen, darf es in dieser Phase gerne sanfter zugehen. Bewährt haben sich:
- lockeres Ausdauertraining wie Spazierengehen, leichtes Joggen oder entspanntes Radfahren
- sanftes Yoga oder Mobility-Training
- Stretching und Dehnübungen
- bei Bedarf auch leichtes Krafttraining, wenn du dich dazu in der Lage fühlst
Verzichte lieber auf intensive Sprints, schweres Krafttraining oder Bauchübungen mit viel Druck auf den Unterleib. Der Grund: Leichte Bewegung kann die Durchblutung fördern und dadurch sogar Krämpfe lindern, während harte Belastungen den ohnehin schon niedrigen Hormonspiegel zusätzlich strapazieren können. Fühlst du dich aber richtig fit, spricht auch nichts dagegen, dein gewohntes Pensum beizubehalten – dein Körper ist hier die zuverlässigste Referenz, nicht der Kalender.
Was tut deiner Ernährung jetzt gut?
Durch den Blutverlust steigt dein Eisenbedarf spürbar. Setze auf eisenreiche Lebensmittel wie rotes Fleisch, Linsen oder Spinat und kombiniere sie idealerweise mit Vitamin C, etwa aus Orangen oder Paprika, um die Eisenaufnahme zu verbessern. Magnesiumreiche Snacks wie Nüsse oder Bananen können Krämpfe abmildern, und ausreichend Wasser gleicht den Flüssigkeitsverlust aus. Manche ExpertInnen empfehlen zudem, in dieser Phase eher auf leicht verdauliche, gedünstete Gemüsesorten zu setzen und tierische Produkte etwas zu reduzieren, da diese Entzündungsprozesse begünstigen können. Ob das für dich stimmt, darfst du getrost selbst ausprobieren.
Phase 2 | Follikelphase (ca. Tag 6 bis 13) – Frühlingsgefühle im Körper

Was passiert im Körper?
Nach der Periode nimmt dein Körper wieder Fahrt auf: Der Östrogenspiegel steigt kontinuierlich an, ebenso das follikelstimulierende Hormon (FSH), das mehrere Follikel in den Eierstöcken zur Reifung anregt. Östrogen wirkt in dieser Phase wie ein kleiner Motivationsschub – es fördert die Muskelproteinsynthese, verbessert die Insulinsensitivität und unterstützt sogar leicht die Mitochondrienfunktion, also die Kraftwerke deiner Zellen. Viele Frauen berichten hier von mehr Energie, besserer Laune und höherer Schmerztoleranz.
Welches Training passt jetzt?
Die Follikelphase gilt bei vielen als die „Powerphase“ des Zyklus – jetzt darfst du ruhig an deine Grenzen gehen:
- Krafttraining mit steigender Intensität, gerne auch neue Trainingsreize
- Intervalltraining und HIIT-Einheiten
- längere, intensivere Ausdauereinheiten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen
- der ideale Moment, um neue sportliche Ziele zu setzen oder mit einer neuen Sportart zu starten
Dein Körper reagiert in diesen Tagen besonders gut auf Trainingsreize, Muskelaufbau und Kraftzuwächse fallen häufig leichter als in der zweiten Zyklushälfte. Nutze das ruhig für dein anspruchsvollstes Training im Monat.
Was tut deiner Ernährung jetzt gut?
Weil dein Körper durch die verbesserte Insulinsensitivität Kohlenhydrate jetzt besonders effizient verwerten kann, darf der Teller gerne etwas kohlenhydratbetonter ausfallen – Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte oder Süßkartoffeln liefern nachhaltige Energie fürs Training. Ergänze das Ganze mit ausreichend Protein aus Eiern, Fisch oder Hülsenfrüchten für die Muskelregeneration, dazu Antioxidantien aus Beeren und grünem Blattgemüse sowie gesunde Fette aus Avocado oder Olivenöl, die deine Hormonproduktion unterstützen.
Phase 3 | Ovulation (ca. Tag 14 bis 16) – Summer is coming

Was passiert im Körper?
Rund um den Eisprung erreicht dein Östrogenspiegel seinen absoluten Höhepunkt, kurz danach löst ein Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH) den Eisprung selbst aus. Auch dein Testosteronspiegel steigt in dieser kurzen Phase leicht an. Viele Frauen fühlen sich jetzt besonders stark, selbstbewusst und leistungsfähig – die Eizelle wandert auf ihre Reise, und dein Körper präsentiert sich sozusagen in Bestform.
Ein Wermutstropfen: Der hohe Östrogenspiegel macht Bänder und Sehnen lockerer, wodurch manche Studien ein leicht erhöhtes Verletzungsrisiko in dieser Phase diskutieren, insbesondere bei Bewegungen mit schnellen Richtungswechseln.
Welches Training passt jetzt?
Nutze diesen hormonellen Zenit, aber baue ein gründliches Aufwärmen ein:
- intensives Kraft- oder Maximalkrafttraining
- HIIT-Workouts und Sprinttraining
- Team- oder Tanzsport, wenn du dich energiegeladen und kommunikativ fühlst
- explosive Bewegungen wie Sprints inklusive Richtungswechsel
Wichtig ist hier vor allem ein sauberes Warm-up und etwas mehr Aufmerksamkeit für Technik, um die durch die Hormone bedingte Instabilität in Gelenken und Bändern zu kompensieren.
Was tut deiner Ernährung jetzt gut?
Wie schon in der Follikelphase profitierst du weiterhin von einer guten Versorgung mit komplexen Kohlenhydraten, um Muskelaufbau und intensive Einheiten zu unterstützen. Kalzium- und magnesiumreiche Lebensmittel wie Nüsse, Samen und grünes Blattgemüse helfen, Muskeln zu entspannen, und ballaststoffreiche Kost aus Vollkornprodukten und Gemüse hält deine Verdauung und deinen Blutzucker stabil.
Phase 4 | Lutealphase (ca. Tag 17 bis 28) – der Herbstblues

Was passiert im Körper?
Aus dem leeren Follikel entwickelt sich nach dem Eisprung der sogenannte Gelbkörper, der nun vor allem Progesteron produziert. Dieses Hormon wirkt eher abbauend, erhöht die Körperkerntemperatur um etwa ein halbes Grad und sorgt bei vielen Frauen dafür, dass sie sich schneller erschöpft und weniger leistungsfähig fühlen. Auch Wassereinlagerungen sind in dieser Phase keine Seltenheit. Je näher du der nächsten Periode kommst, desto stärker fallen Östrogen und Progesteron wieder ab – bei manchen Frauen macht sich das mit klassischen PMS-Symptomen wie Reizbarkeit, Heißhunger, Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen bemerkbar. Und ja: Auch das Verletzungsrisiko gilt in der späten Lutealphase durch nachlassende Koordination und lockere Bänder als eher erhöht.
Welches Training passt jetzt?
Zeit, einen Gang runterzuschalten und die Fortschritte der ersten Zyklushälfte zu festigen:
- moderates Krafttraining mit Fokus auf Technik statt maximalem Gewicht
- ruhigeres, gleichmäßiges Ausdauertraining statt intensiver Intervalle
- Pilates, Mobility- und Stabilitätstraining
- ausreichend Aufwärm- und Aktivierungsübungen vor jeder Einheit
Baue außerdem bewusst mehr Regenerationszeit und Pausen zwischen intensiveren Einheiten ein. Dein Körper bereitet sich gerade auf einiges vor und verdient deshalb mehr Fürsorge.
Was tut deiner Ernährung jetzt gut?
Setze auf komplexe Kohlenhydrate wie Süßkartoffeln oder Vollkornbrot, um deinen Blutzucker stabil zu halten und Heißhungerattacken vorzubeugen. Magnesiumreiche Lebensmittel wie Bananen und Mandeln können Stimmungsschwankungen und Blähungen abmildern. Ganz wichtig: Vermeide in dieser Phase ein Kaloriendefizit – das setzt deinen Körper zusätzlich unter Stress und begünstigt genau die Heißhungerattacken, die du eigentlich vermeiden willst. Eine tendenziell proteinreiche Ernährung unterstützt zudem die Regeneration.
Was sagt die Wissenschaft eigentlich wirklich dazu?
Wie zu Beginn schon erwähnt, steckt die Forschung zum zyklusbasierten Training noch in den Kinderschuhen – und ist alles andere als einheitlich. Eine ausführliche sportmedizinische Analyse kommt sogar zu einem recht ernüchternden Ergebnis: Nach Sichtung zahlreicher Studien konnte bislang kein überzeugender Beleg dafür gefunden werden, dass Frauen systematisch von einem Training nach idealisierten Zyklusphasen profitieren. Eine große Metaanalyse mit 55 eingeschlossenen Studien fand beispielsweise keinen signifikanten Unterschied in der Energiebereitstellung zwischen Follikel- und Lutealphase. Auch zur Frage, ob sich Sehneneigenschaften oder Muskelproteinsynthese tatsächlich je nach Zyklusphase unterscheiden, liefern methodisch hochwertige Untersuchungen bislang keine klaren Belege. Viele der Studien, die einen Vorteil zyklusbasierten Trainings nahelegen, haben zudem methodische Schwächen: kleine Stichproben, keine zuverlässige Verifikation der tatsächlichen Zyklusphase oder die pauschale Annahme eines idealtypischen 28-Tage-Zyklus, den in der Realität längst nicht jede Frau hat.
Warum berichten dann trotzdem so viele Athletinnen von positiven Erfahrungen? Dafür gibt es plausible Erklärungen, die nichts mit Hormonen zu tun haben müssen. Zum einen kann schon die gesteigerte Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper – unabhängig vom Zyklus – das Training verbessern. Zum anderen spielt vermutlich ein Placebo-Effekt eine Rolle: Wer erwartet, in einer bestimmten Phase besonders leistungsfähig zu sein, trainiert oft automatisch fokussierter. Eine Untersuchung fand sogar heraus, dass Leistungsschwankungen bei Frauen mit regulärem Zyklus eher mit psychologischen Faktoren wie Motivation, subjektivem Wohlbefinden und Schmerzempfinden zusammenhingen als mit den tatsächlichen Hormonwerten.
Was heißt das für dich? Zyklusbasiertes Training ist kein wissenschaftlich in Stein gemeißeltes Erfolgsrezept, aber auch kein Hokuspokus. Es ist vor allem ein nützliches Denkmodell, um besser auf deinen Körper zu hören – und genau das ist per se schon ein guter Trainingsgrundsatz, egal ob mit oder ohne Zyklus.
Individuelle Symptome und Psyche: Der Faktor, der oft unterschätzt wird
So spannend die Hormonkurven auch sind – dein Zyklus ist kein Formular, das bei allen Frauen gleich ausgefüllt wird. Die Zykluslänge variiert wie bereits erwähnt zwischen 21 und 35 Tagen, und selbst bei regelmäßigem Zyklus können sich die Hormonkonzentrationen von Frau zu Frau erheblich unterscheiden. Manche spüren die Lutealphase kaum, andere kämpfen jeden Monat mit ausgeprägtem PMS. Manche fühlen sich während der Periode topfit, andere brauchen dringend eine Pause.
Auch die Psyche spielt eine mindestens genauso große Rolle wie die Hormonlage. Stress, Schlafqualität, Erwartungshaltung und dein allgemeines Stimmungsbild beeinflussen, wie du eine Trainingseinheit erlebst – manchmal sogar stärker als der Hormonspiegel selbst. Nutzt du zudem hormonelle Verhütung wie die Pille, die Hormonspirale oder ein Hormonstäbchen, wird dein natürlicher Hormonzyklus ohnehin unterdrückt, wodurch die typischen zyklischen Schwankungen in dieser Form nicht auftreten. Auch dann lohnt es sich natürlich, auf individuelle Schwankungen im Energielevel zu achten.
Die wichtigste Erkenntnis aus all dem: Nimm die hier vorgestellten Phasen als grobe Orientierung, nicht als starres Regelwerk. Führe am besten selbst ein kleines Zyklus- und Trainingstagebuch, ob per App oder klassisch im Kalender, und beobachte, wie sich dein Körper tatsächlich anfühlt. Dein Bauchgefühl darf hier das letzte Wort haben.
So startest du in der Praxis: 5 Tipps für den Einstieg
Genug Theorie – wie setzt du zyklusbasiertes Training jetzt konkret um, ohne dir dafür einen Statistik-Kurs anzueignen? Diese fünf Punkte reichen für den Anfang völlig aus:
- Tracke deinen Zyklus. Ob mit einer App, einem Kalender oder ganz klassisch im Notizbuch – ohne zu wissen, in welcher Phase du dich gerade befindest, lässt sich schwer planen. Schon nach zwei, drei Zyklen bekommst du ein ziemlich gutes Gefühl für dein persönliches Muster.
- Beobachte dein Energielevel, nicht nur den Kalender. Notiere dir kurz, wie du dich vor, während und nach dem Training gefühlt hast. Nach ein paar Monaten erkennst du eigene Muster oft klarer als in jeder allgemeinen Tabelle.
- Plane flexibel statt starr. Ein fester Trainingsplan für vier Wochen im Voraus ist bei zyklusbasiertem Training eher hinderlich. Baue dir lieber einen groben Rahmen mit intensiveren und ruhigeren Blöcken, den du je nach Befinden anpassen kannst.
- Vernachlässige Schlaf und Stressmanagement nicht. Beides beeinflusst dein Wohlbefinden im Zyklus oft mindestens genauso stark wie die Hormone selbst – ausreichend Schlaf und bewusste Pausen sind daher kein „Nice-to-have“, sondern Teil des Trainingsplans.
- Nimm hormonelle Verhütung in die Rechnung mit auf. Wer die Pille, eine Hormonspirale oder ein Hormonstäbchen nutzt, hat einen künstlich regulierten Hormonspiegel ohne die typischen zyklischen Schwankungen. Zyklusbasiertes Training im klassischen Sinn ergibt dann weniger Sinn – dein Training kannst du in diesem Fall meist konstanter gestalten und dich stattdessen stärker an Energielevel und Alltagsstress orientieren.
Ein letzter Gedanke, bevor es ans Eingemachte geht: Zyklusbasiertes Training soll dir Struktur geben, nicht zur nächsten Selbstoptimierungs-Baustelle werden. Wenn du an einem vermeintlichen „Ruhetag“ richtig Lust auf ein intensives Workout hast, dann leg los. Und wenn du dich in der Ovulationsphase alles andere als topfit fühlst und dich einfach nur nach der Couch sehnst, ist auch das völlig in Ordnung. Die Phasenlogik ist ein Werkzeug – kein Gesetz.
Trainiere mit deinem Zyklus, nicht gegen ihn
Zyklusbasiertes Training ist letztlich weniger eine strenge Gebrauchsanweisung als vielmehr eine Einladung, deinen Körper besser kennenzulernen. Wenn du weißt, dass Energieeinbrüche vor der Periode normal sein können und keine Frage der Willenskraft sind, fällt es leichter, dir in diesen Tagen bewusst mehr Ruhe zu gönnen – und die Power-Tage rund um den Eisprung dafür umso mehr auszukosten. Wissenschaftlich betrachtet ist noch nicht alles geklärt, aber das eigene Körpergefühl war noch nie eine schlechte Trainingsgrundlage. Höre auf dich, passe deine Intensität an, statt sie stur durchzuziehen, und mach dir bewusst: Keine Zyklusphase ist besser oder schlechter, sie ist einfach anders. Und genau darin liegt die eigentliche Stärke.
Häufig gestellte Fragen zum zyklusbasierten Training
Zyklusbasiertes Training bedeutet, Sport und Bewegung an die vier Phasen des Menstruationszyklus – Menstruation, Follikelphase, Ovulation und Lutealphase – anzupassen. Da Hormone wie Östrogen und Progesteron Energielevel, Kraft und Regeneration beeinflussen können, wird die Trainingsintensität entsprechend gesteuert, statt jede Woche identisch zu trainieren.
Nein, Sport während der Menstruation ist kein Tabu. Viele Frauen profitieren sogar von leichter Bewegung wie Spazierengehen, Yoga oder lockerem Cardio, da dies die Durchblutung fördern und Krämpfe lindern kann. Fühlst du dich fit, spricht nichts dagegen, dein gewohntes Training fortzusetzen – hörst du dich erschöpft, ist eine Pause völlig legitim.
Viele Frauen erleben rund um den Eisprung sowie in der späten Follikelphase ihr höchstes Energielevel, da der Östrogenspiegel dann besonders hoch ist. Das ist jedoch keine feste Regel: Wie stark sich das im Alltag bemerkbar macht, ist individuell sehr unterschiedlich.
Nicht eindeutig. Die aktuelle Forschungslage ist jung und in Teilen widersprüchlich: Manche Studien deuten auf Vorteile eines an die Follikelphase angepassten Krafttrainings hin, andere finden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Zyklusphasen. Fest steht, dass individuelles Körpergefühl und psychologische Faktoren wie Motivation eine bedeutende Rolle spielen.
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