Hitzerekorde und Therapiezukunft: Wie der Klimawandel deinen Praxisalltag verändert – und was du jetzt tun kannst. Hitzerekorde und Therapiezukunft: Wie der Klimawandel deinen Praxisalltag verändert – und was du jetzt tun kannst.

Hitzerekorde und Therapiezukunft: So wird deine Praxis fit für den Klimawandel

Wie der Klimawandel deinen Praxisalltag verändert – und was du jetzt tun kannst.

Es gibt Sommer, die bleiben einem im Gedächtnis. Der Sommer 2026 gehört eindeutig dazu und die Rekorde, die er gebrochen hat, sind leider alles andere als positiv. Was Klimaforscherinnen und -forscher jahrzehntelang vorhergesagt haben, ist heuer keine Prognose mehr, sondern Realität geworden – abnorme Wetterereignisse sind zur Normalität geworden, die Auswirkungen des Klimawandels sind dramatische Realität. Und diese Realität macht auch vor deiner Praxistür nicht Halt.

Vielleicht kennst du das Gefühl: Der Wartebereich ist ein Backofen, die letzte Patientin hat den Termin wegen Kreislaufproblemen abgesagt, und du selbst würdest am liebsten die Behandlungsliege gegen eine Hängematte im Schatten tauschen. Der Ventilator läuft auf Hochtouren und schiebt trotzdem nur heiße Luft im Kreis, und die Pflanze am Fensterbrett hat innerlich schon gekündigt. Genau darum soll es hier gehen – nicht um Panikmache, sondern um einen ehrlichen, kompakten Überblick: Was macht Hitze mit deinem Praxisalltag, und was kannst du tun, um auf immer heißere Sommer vorbereitet zu sein – und auch deinen Patientinnen und Patienten gut durch Hitzewellen zu helfen?


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Der Klimawandel macht auch vor der Praxistür nicht Halt: Hitzewellen wie im Rekordsommer 2026 verändern längst den therapeutischen Alltag – von der Belastung für Angestellte und PatientInnen bis zu einem ganz neuen psychologischen Thema. Statt die Hitze einfach auszusitzen, lohnt sich ein Blick auf bauliche und organisatorische Stellschrauben, mit denen sich Praxen schon jetzt fit für kommende Hitzesommer machen lassen. (Weiterlesen …)

  • Praxisklima und Arbeitsrecht: Sobald du Angestellte beschäftigst, greifen ab etwa 30 Grad Innentemperatur arbeitsrechtliche Fürsorgepflichten – von Lüften über Beschattung bis zu angepassten Arbeitszeiten. Praxistipp: Auch ohne exakte gesetzliche Pflicht lohnt sich proaktives Handeln, weil auch deine eigene Leistungsfähigkeit bei Dauerhitze leidet.
  • Vulnerable PatientInnen: Ältere Menschen sagen bei Hitze häufiger Termine ab – aus Angst vor Kreislaufproblemen oder weil sie tagsüber ungern das Haus verlassen. Das kann Behandlungsserien gefährden, wenn Praxen nicht gegensteuern.
  • Eco Anxiety: Klimaangst ist keine eigenständige Diagnose, sondern ein reales psychologisches Phänomen, das vor allem jüngere Menschen betrifft. Praxistipp: Der Fokus auf Selbstwirksamkeit statt Ohnmacht („Handabdruck statt Fußabdruck“) lässt sich gut mit bekannten therapeutischen Werkzeugen kombinieren.
  • Praxisraumgestaltung: Ob Eigentum oder Miete – außenliegender Sonnenschutz, Sonnenschutzfolien, richtiges Lüften in den frühen Morgenstunden und eine gut gewartete Klimaanlage machen den größten Unterschied. Praxistipp: Bei Mietflächen ist ein Temperaturprotokoll im Streitfall Gold wert.
  • Praxisorganisation und Kommunikation: Verschobene Öffnungszeiten in kühlere Randstunden, punktuelle Hausbesuche und frühzeitige Infoblätter zu Hitzeschutz und Medikation helfen PatientInnen, gut durch den Sommer zu kommen.

Der Sommer 2026 in Zahlen: Warum das Thema kein Randthema mehr ist

Fangen wir mit ein paar Fakten an, die es in sich haben. Bis zum 02. August zählte das Robert-Koch-Institut allein für Deutschland 12.500 Hitzetote – damit ist 2026 das Jahr mit den meisten hitzebedingten Sterbefällen seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch für Österreich gibt es zwar keine exakt vergleichbare Zahl, doch die Tendenz ist eindeutig: An der Messstation Wien-Innere Stadt wurden heuer schon 34 Tropennächte gezählt, in Eisenstadt 17 und in Linz 14 – Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt und der Körper wenig bis keine Erholung findet.

Dazu kommt: Österreich verzeichnet laut Geosphere Austria heuer das größte Niederschlagsdefizit seit Beginn der Messungen vor 176 Jahren, und die Hitzebelastung steigt laut Weltklimarat IPCC nirgends so stark wie in Europa – hierzulande waren die zehn heißesten Tage heuer um bis zu 4 Grad Celsius wärmer als noch in den 1970er-Jahren. Der IIASA-Klimaforscher Karl Scheifinger bringt es gegenüber der Wiener Zeitung auf den Punkt: Dieser Sommer sei historisch außergewöhnlich, aber leider nicht überraschend – Klimaforschung habe die Entwicklungen seit Jahrzehnten vorausgesagt, unterschätzt worden sei nur das Tempo. Sein nüchternes Fazit: Einen Sommer wie diesen werde es künftig wohl standardmäßig geben.

Auch das Gesundheitssystem spürt die Hitze direkt. Die Gesundheit Österreich (GÖG) analysiert aktuell gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium die Hitzeexposition von 1.239 Krankenanstalten, Pflege- und Betreuungseinrichtungen sowie Primärversorgungseinheiten in ganz Österreich, um besonders belastete Standorte zu identifizieren. Mehr als 550 Gesundheitseinrichtungen arbeiten bereits im Projekt „Beratung klimafreundliche Gesundheitseinrichtungen“ an Maßnahmen wie Beschattung, thermischer Sanierung oder der Optimierung von Lüftungs- und Klimasystemen. Kurz: Das Thema ist im Gesundheitswesen längst angekommen – und es wird Zeit, dass es auch in jeder einzelnen Therapiepraxis ankommt.

Was diese Zahlen für dich als Therapeutin oder Therapeuten in der Praxis konkret bedeuten? Drei Dinge vor allem: mehr Stress im Praxisalltag, weniger verlässliche Patiententermine bei vulnerablen Gruppen – und ein psychologisches Thema, das in den letzten Jahren spürbar an Bedeutung gewonnen hat.


Wie Hitze deinen Praxisalltag konkret beeinflusst

1. Wenn die Praxis selbst zur Belastung wird

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Hitze macht Therapie anstrengend – für Patientinnen und Patienten genauso wie für dich selbst. Konzentration lässt nach, die Reizbarkeit steigt, und wer schon eine schlaflose, viel zu warme Nacht hinter sich hat, kommt selten in Bestform zur Sitzung. Kein Wunder, schließlich beeinträchtigen hohe Temperaturen selbst den Schlaf, unter anderem, weil nächtliches Schwitzen den Körper dehydriert und man bei Hitze schlechter zur Ruhe kommt.

Wenn du Angestellte beschäftigst, wird die Sache noch verbindlicher: In Österreich gilt seit 01. Januar 2026 die neue Hitzeschutzverordnung, die ArbeitgeberInnen bei einer Hitzewarnung ab Stufe 2 (ab 30 Grad) durch die GeoSphere Austria zu einem Hitzeschutzplan verpflichtet – bislang zwar in erster Linie für Arbeiten im Freien konzipiert, aber sie zeigt die Richtung, in die sich der ArbeitnehmerInnenschutz insgesamt bewegt. Für Arbeitsräume in Österreich gilt über die Arbeitsstättenverordnung ohnehin: Bei Bürotätigkeit sollte die Lufttemperatur zwischen 19 und 25 Grad liegen; wird das überschritten, müssen ArbeitgeberInnen andere geeignete Maßnahmen setzen, um unzumutbare Belastungen zu vermeiden. 

In Deutschland orientiert sich das an der Technischen Regel ASR A3.5, die eine klare Eskalationslogik kennt: Ab 26 Grad werden Maßnahmen wie Außenjalousien oder Gleitzeitregelungen empfohlen, ab 30 Grad braucht es weitere Schritte wie das Abschalten elektrischer Geräte, Lüften am Morgen oder gelockerte Bekleidungsvorschriften, und ab 35 Grad kann der Raum de facto als Arbeitsraum ungeeignet gelten. Ein Rechtsanspruch auf „Hitzefrei“ existiert zwar weder in Österreich noch in Deutschland – aber eine Fürsorgepflicht der Praxisinhaberin oder des Praxisinhabers gegenüber den Angestellten sehr wohl.

Was das für dich bedeutet: Auch wenn dir persönlich nichts vorgeschrieben ist, solange du allein arbeitest – sobald du eine Assistenz oder Rezeption beschäftigst, bist du in der Pflicht. Und selbst wenn nicht: Deine eigene Leistungsfähigkeit sinkt bei Dauerhitze genauso wie die deiner PatientInnen. Es lohnt sich also doppelt, hier gegenzusteuern.

2. Ältere PatientInnen und die Sache mit den Terminen

Der zweite Effekt betrifft direkt deine Terminplanung: Ältere Menschen können während Hitzewellen ihre Termine oft nicht in dem Ausmaß wahrnehmen, wie du es gewohnt bist. Kreislaufprobleme bei großer Hitze sind real, und viele ältere PatientInnen meiden es schlicht, tagsüber überhaupt das Haus zu verlassen – aus gutem Grund, denn gerade sie zählen zu den besonders hitzegefährdeten Gruppen. Das Sozialministerium weist ausdrücklich darauf hin, dass bei älteren Menschen das Durstempfinden reduziert ist und die Nieren oft langsamer arbeiten, weshalb bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme besondere Vorsicht geboten ist.

Die Konsequenz für deine Praxis: kurzfristige Absagen, unregelmäßigere Anwesenheit vulnerabler PatientInnen und im schlimmsten Fall der Abbruch von Therapieprozessen, weil der Weg zur Praxis an Hitzetagen schlicht zu belastend wird. Das ist kein Randproblem – gerade in der körperorientierten und in der Altenarbeit kann das über Behandlungserfolge mitentscheiden.

3. Klimaangst: Ein neues Thema in der psychologischen Praxis

Der dritte Punkt betrifft vor allem die psychologische und psychotherapeutische Praxis, lässt sich aber auch in anderen Fachrichtungen beobachten: Eco Anxiety, zu Deutsch Klimaangst, ist längst kein Nischenphänomen mehr. Wichtig dabei: Klimaangst ist keine eigenständige Diagnose im klassischen Sinn, sondern ein psychologisches Phänomen – anders als etwa eine Spinnenphobie steckt dahinter die Angst vor einer tatsächlich realen Bedrohung der eigenen Zukunft. Betroffen sind Menschen jeden Alters, doch wissenschaftliche Studien zeigen, dass vor allem jüngere Menschen und Menschen mit hohem Umweltbewusstsein besonders betroffen sind.

Typische Anzeichen, auf die du in Erstgesprächen achten kannst: ständige Sorge um die Zukunft, Gefühle von Hilflosigkeit, teils auch Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und depressive Verstimmungen. Viele Betroffene ziehen sich zurück und haben das Gefühl, dass die eigenen Bemühungen ohnehin nicht ausreichen – ein Muster, das therapeutisch gut anschlussfähig an bekannte Konzepte aus der Verhaltenstherapie und der Akzeptanz- und Commitment-Therapie ist. Wichtig für deine Haltung im Gespräch: Klimaangst zu pathologisieren, wäre der falsche Weg, denn die zugrunde liegende Sorge ist – anders als bei klassischen Angststörungen – zu einem erheblichen Teil rational begründet.

Was Patientinnen und Patienten mit Klimaangst oft hilft, lässt sich grob in vier Richtungen bündeln, die sich mit therapeutischem Handwerkszeug gut kombinieren lassen: bewusste Medienpausen, um dem ständigen Strom an Hitzewellen-Schlagzeilen zu entkommen, der Austausch mit anderen Betroffenen, um dem Gefühl der Isolation entgegenzuwirken, das bewusste Zulassen der Emotionen statt ihrer Verdrängung und – besonders wirkungsvoll – die Verschiebung des Fokus vom ökologischen Fußabdruck hin zum sogenannten Handabdruck, also der Frage, wo die eigene Handlung tatsächlich einen positiven Unterschied macht. Diese Wende vom Ohnmachtsgefühl hin zu erlebter Selbstwirksamkeit ist im Grunde nichts anderes als klassische Ressourcenarbeit, nur eben mit einem sehr aktuellen Thema als Ausgangspunkt. Für dich als Therapeutin oder Therapeut heißt das: Du musst kein Klimaexperte oder keine Klimaexpertin werden, um mit Klimaangst professionell zu arbeiten – die bekannten Werkzeuge greifen auch hier gut, sie brauchen nur den passenden thematischen Rahmen.


Was kannst du präventiv tun? Teil 1: Die Praxisraumgestaltung

Noch wirksamer, weil unmittelbar spürbar: außenliegender Sonnenschutz. Ob Außenjalousien, Fensterläden, Markisen oder Rollläden – entscheidend ist, dass die Wärme gar nicht erst ins Gebäude gelangt. Das ist deutlich effektiver als innenliegende Vorhänge oder Rollos, bei denen die Sonnenstrahlung ja bereits im Raum ist und erst danach wieder nach außen reflektiert wird.
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Kommen wir zum praktischen Teil. Die gute Nachricht vorweg: Du musst nicht alles auf einmal umsetzen, und viele Maßnahmen funktionieren unabhängig davon, ob dir die Praxisräume gehören oder ob du Mieterin oder Mieter bist.

Wenn dir die Räumlichkeiten gehören

Bist du Eigentümerin oder Eigentümer deiner Praxisräume, hast du die größte Gestaltungsfreiheit – und solltest sie auch nutzen. An erster Stelle steht die Fassadendämmung: Eine gute Dämmung hält im Winter die Wärme drinnen und im Sommer draußen, sie wirkt also in beide Richtungen. Wer ohnehin eine Sanierung plant, sollte den sommerlichen Wärmeschutz gleich mitdenken.

Noch wirksamer, weil unmittelbar spürbar: außenliegender Sonnenschutz. Ob Außenjalousien, Fensterläden, Markisen oder Rollläden – entscheidend ist, dass die Wärme gar nicht erst ins Gebäude gelangt. Das ist deutlich effektiver als innenliegende Vorhänge oder Rollos, bei denen die Sonnenstrahlung ja bereits im Raum ist und erst danach wieder nach außen reflektiert wird. Fachleute stufen den Effekt von außenliegendem Sonnenschutz entsprechend als sehr hoch ein, während innenliegende Lösungen nur einen geringen Effekt erzielen. Wer keine baulichen Maßnahmen setzen möchte oder kann, findet in Sonnenschutzfolien für Fenster eine gute Zwischenlösung: Je nach Tönung verringern sie die Sonneneinstrahlung um bis zu 80 Prozent, sind aber – anders als der außenliegende Sonnenschutz – ganzjährig auf der Scheibe und schlucken damit auch im Winter Licht und Wärme. In Deutschland fördert das BAFA übrigens Hitzeschutzmaßnahmen am Gebäude mit 15 Prozent der förderfähigen Kosten, wozu ausdrücklich auch außenliegende Sonnenschutzeinrichtungen zählen – ein Blick auf aktuelle Förderprogramme lohnt sich also, bevor du investierst.

Wenn du Mieterin oder Mieter bist

Die schlechte Nachricht zuerst: Weder im österreichischen noch im deutschen Mietrecht gibt es eine gesetzlich festgelegte Raumhöchsttemperatur, und die Rechtsprechung ist uneinheitlich. Manche Oberlandesgerichte sehen überhitzte Räume als allgemeines Lebensrisiko der Mieterin, andere gehen von einem Mietmangel aus, sobald die für Arbeitsplätze übliche Grenze von 26 Grad überschritten wird. Die Mietervereinigung Österreich hat hierzu ein Forderungspaket vorgelegt, das MieterInnen beim Hitzeschutz mehr Freiheiten gibt und/oder auch Mietreduktionen bei großer Hitze in den Mieträumlichkeiten fordert. 

Die gute Nachricht: Du bist nicht völlig machtlos. Wirf zuerst einen Blick in deinen Mietvertrag – manchmal ist dort tatsächlich eine bestimmte Raumtemperatur zugesichert. In diesem Fall ist der Vermieter zur Abhilfe verpflichtet, etwa durch Klimaanlage oder Sonnenschutz, und bei anhaltender Untätigkeit kommt sogar eine anteilige Mietminderung in Betracht. Elementar wichtig ist dabei die genaue Dokumentation: Ein sogenanntes Temperaturprotokoll, bei dem du regelmäßig mit einem Thermometer in Raummitte, etwa einen Meter über dem Boden, misst und parallel die Außentemperatur notierst, ist im Streitfall Gold wert. Fehlt eine Regelung im Vertrag, kann trotzdem eine Mietminderung möglich sein, wenn du die Überhitzung nachweisen kannst – je nach Fall zwischen 10 und 20 Prozent. Typischerweise erlauben Praxismietverträge außerdem den Ein- oder Anbau von Klimaanlagen oder Markisen auf eigene Kosten, oft mit Zustimmungsvorbehalt des Vermieters. Prüfe hier genau, ob du bei Vertragsende zum Rückbau verpflichtet bist, bevor du investierst.

Klimaanlagen und Klimageräte: Sinnvoll, aber mit Vorsicht

Ob mobiles Klimagerät oder fix installierte Klimaanlage – beides bringt spürbare, schnelle Abkühlung. Der Haken: hoher Stromverbrauch, entsprechende Kosten und, wenn die Wartung vernachlässigt wird, ein handfestes Gesundheitsrisiko. Schlecht gewartete Anlagen können sich zu Brutstätten für Keime und Schimmel entwickeln und so unter Umständen Atemwegsbeschwerden auslösen – ausgerechnet in Räumen, in denen Patientinnen und Patienten zur Ruhe kommen sollen. Ein paar Basics für die gesundheitssichere Wartung:

  • Filter regelmäßig reinigen oder tauschen, bei Praxisbetrieb eher öfter als im privaten Haushalt üblich.
  • Kondenswasser nicht stehen lassen, um Schimmelbildung zu vermeiden.
  • Anlage jährlich fachkundig warten und auf Legionellenrisiko prüfen lassen, besonders bei größeren, zentralen Systemen.
  • Temperaturdifferenz zur Außentemperatur nicht zu groß wählen, damit PatientInnen beim Verlassen der Praxis keinen Kälteschock erleiden.

Eine deutlich günstigere und stromsparendere Alternative sind Ventilatoren. Sie kühlen die Luft zwar nicht wirklich, sorgen aber durch bewegte Luft für ein spürbar kühleres Hautgefühl – für viele Praxen im Alltag völlig ausreichend.

Richtig lüften: Morgens und abends statt tagsüber

Die effektivste kostenlose Maßnahme ist das richtige Lüften. Die ideale Zeit dafür sind die frühen Morgenstunden und die Nacht, wenn die Außenluft am kühlsten ist – dann lohnt es sich, alle Fenster weit zu öffnen, auch Schranktüren, denn auch dort staut sich Wärme. Tagsüber gilt dagegen: Fenster geschlossen halten, damit die heiße Luft draußen bleibt. Sorgen wegen Sauerstoffmangels durch geschlossene Fenster sind in normal großen Räumen übrigens unbegründet; Kopfschmerzen oder Konzentrationsprobleme deuten eher auf einen erhöhten CO2-Gehalt hin, dann sollte auch tagsüber kurz durchgelüftet werden.

Kleine Kniffe für den Wartebereich

Ein paar Dinge, die sich fast nebenbei umsetzen lassen und trotzdem einen Unterschied machen: Stelle an heißen Tagen eine Karaffe mit Wasser und Gläsern gut sichtbar in den Wartebereich. Das kostet fast nichts und wird erstaunlich dankbar angenommen. Teppiche kannst du für die Sommermonate einrollen und einlagern, denn sie speichern Wärme und verhindern gleichzeitig, dass der Boden die Raumwärme abgeben kann. Elektrische Geräte, die du nicht ständig brauchst – vom Zweitmonitor bis zum alten Drucker im Eck –, produzieren im Standby unnötig Abwärme; ein simpler Steckdosenschalter erspart dir das ständige Steckerziehen. Und wenn deine Heizung auch das Warmwasser erzeugt: Prüfe, ob sich der Sommerbetrieb aktivieren lässt. Das spart nebenbei auch noch Energiekosten.

Pflanzen in der Praxis

Zimmerpflanzen bringen zwar nur einen geringen kühlenden Effekt, befeuchten aber die Luft, verbessern das Raumklima und wirken – ganz nebenbei – auch beruhigend auf wartende PatientInnen. Wer draußen Platz hat, kann mit Fassaden- oder sogar Dachbegrünung eine Art natürliche Klimaanlage schaffen; für die meisten Mietpraxen realistischer sind aber ein paar gut platzierte, pflegeleichte Grünpflanzen im Warte- und Behandlungsbereich.


Was kannst du präventiv tun? Teil 2: Praxisorganisation und PatientInnenkommunikation

Bauliche Maßnahmen sind die eine Seite – wie du deine Praxis organisierst und mit PatientInnen kommunizierst, die andere. Und hier hast du oft mehr Spielraum, als du denkst.

Öffnungszeiten auf Randzeiten verschieben

Eine der wirkungsvollsten organisatorischen Maßnahmen: Verschiebe in den Sommermonaten, in denen längere Hitzeperioden zu erwarten sind, deine Öffnungszeiten in die kühleren Randzeiten. Statt um 09.00 Uhr zu öffnen, startest du an ausgewählten Sommertagen etwa schon um 07.00 Uhr – dafür schließt du entsprechend früher. So können gerade vulnerable Gruppen die Praxis noch bei halbwegs erträglichen Außentemperaturen erreichen, und du selbst musst nicht in der Nachmittagshitze arbeiten. Wichtig ist, das rechtzeitig und klar zu kommunizieren, idealerweise schon zu Saisonbeginn, damit sich Patientinnen und Patienten darauf einstellen können.

Hausbesuche als Sommer-Ergänzung

Wenn dein Setting das zulässt, lohnt sich an besonders heißen Tagen ein verstärktes Angebot an Hausbesuchen – gerade für ältere oder mobilitätseingeschränkte Patientinnen und Patienten, die den Weg in die Praxis an solchen Tagen scheuen. Das ist natürlich nicht in jedem therapeutischen Setting praktikabel, kann aber punktuell echte Versorgungslücken schließen und verhindern, dass Behandlungsserien abreißen. Wichtig dabei: Plane solche Besuche selbst in die kühleren Tagesrandzeiten, denn auch du bist bei 35 Grad im Auto oder auf dem Fahrrad keine unbegrenzt belastbare Ressource. Manche Praxen kombinieren das inzwischen mit kurzen Telefon- oder Videoterminen als Ersatz für einzelne Präsenztermine an Extremtagen – kein Ersatz für die reguläre Behandlung, aber eine sinnvolle Notfalloption, wenn eine Person schlicht nicht sicher aus dem Haus kommt.

Infoblätter zur Vorsorge – schon ab dem Frühjahr

Warte nicht auf den ersten Hitzetag, um über Hitzeschutz zu informieren. Verteile Infoblätter idealerweise schon ab dem Frühjahr, wenn noch Ruhe für die Vorbereitung ist. Wichtige Inhalte:

  • Wohnung kühl halten: Tagsüber Fenster und Rollläden geschlossen halten, morgens und abends stoßlüften.
  • Ausreichend trinken – aber sinnvoll dosiert, gerade bei Herz- oder Niereninsuffizienz in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt.
  • Medikation im Sommer im Blick behalten.

Merkblatt Hitzewellen

Wir haben ein Merkblatt zum Thema Hitzeschutz für dich erstellt, dass du gerne ausdrucken und an deine Patientinnen und Patienten verteilen kannst.

Medikamente und Hitze: Ein Punkt, den viele unterschätzen

Gerade dieser letzte Punkt verdient mehr Aufmerksamkeit, als er meistens bekommt. Das Sozialministerium warnt ausdrücklich: Bei Hitze verändert sich die Wärmeregulierung des Körpers, und das kann die Verteilung, Wirkung oder Ausscheidung von Medikamenten beeinflussen. Besonders relevant für Patientinnen und Patienten in psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung: Einige Antidepressiva, Neuroleptika oder Antiepileptika beeinflussen die Schweißproduktion oder das Durstgefühl, wodurch das Risiko für Dehydrierung und Überhitzung bis hin zum Hitzschlag steigt. Auch blutdrucksenkende Mittel sind heikel: Durch die ohnehin hitzebedingte Gefäßerweiterung kann es bei zusätzlicher Einnahme von ACE-Hemmern, Sartanen oder Diuretika zu Schwindel, Kreislaufproblemen oder im Extremfall zu Ohnmacht kommen.

Für dich als Therapeutin oder Therapeut heißt das nicht, dass du selbst medizinisch beraten sollst – das ist und bleibt Sache der verschreibenden Ärztinnen und Ärzte. Aber du kannst sensibilisieren: Weise PatientInnen im Rahmen deiner Infoblätter oder im Gespräch darauf hin, dass eine Rücksprache mit der Hausärztin oder dem Hausarzt vor dem Sommer sinnvoll ist, gerade wenn Psychopharmaka, Diuretika oder Blutdrucksenker im Spiel sind. Und ein wichtiger Praxistipp, den viele vergessen: Medikamente sollten grundsätzlich nicht in der Sonne oder im heißen Auto liegen bleiben, da Hitze nicht nur die Wirkung, sondern auch die Stabilität mancher Präparate beeinträchtigen kann.


Hitze ist gekommen, um zu bleiben

Der Sommer 2026 hat noch einmal deutlich gemacht, was Klimaforscherinnen und -forscher längst wissen: Hitzewellen werden nicht seltener, sondern häufiger und erstrecken sich zudem über immer längere Zeitspannen. Für deine Praxis ist das ein guter Grund, das Thema strukturiert anzugehen – bei der Raumgestaltung genauso wie bei der Praxisorganisation und im Gespräch mit deinen Patientinnen und Patienten. Die gute Nachricht: Viele der wirksamsten Maßnahmen kosten wenig bis nichts, vom richtigen Lüftungsrhythmus bis zur Verschiebung der Öffnungszeiten. Und die, die etwas kosten, zahlen sich meist mehrfach aus – für deine Patientinnen und Patienten, für dich selbst und langfristig auch für deine Praxis als Ganzes.

Am Ende geht es nicht darum, deine Praxis in eine hermetisch abgeriegelte Kühlkammer zu verwandeln, sondern darum, mit den Gegebenheiten so umzugehen, dass Therapie auch bei 35 Grad im Schatten noch möglich, sicher und wirksam bleibt. Wer jetzt anfängt, kleine Stellschrauben zu drehen – ein Vorhang hier, ein verschobener Terminplan dort, ein Infoblatt im Frühjahr statt erst im Hochsommer –, muss sich beim nächsten Rekordsommer nicht wieder komplett neu erfinden. Und vielleicht wird aus der anfänglichen Last sogar ein kleines Alleinstellungsmerkmal: Eine Praxis, die auch an Hitzetagen ein kühler, verlässlicher Ort bleibt und auf Sorgen und Klimaveränderungen eingeht, ist ein Ort, an dem sich Patientinnen und Patienten sicher, verstanden und gut betreut fühlen – und an den sie gerne wiederkehren.


Häufig gestellte Fragen

Ab welcher Temperatur muss ich als Praxisinhaberin oder Praxisinhaber mit Angestellten reagieren?

Eine allgemeingültige Höchsttemperatur gibt es nicht, aber sowohl in Österreich als auch in Deutschland verdichten sich die Pflichten ab etwa 26 Grad und werden ab 30 Grad deutlich konkreter. Als Faustregel gilt: Ab 30 Grad solltest du aktiv Maßnahmen wie Lüften, Beschattung, gelockerte Kleidungsvorschriften oder verschobene Arbeitszeiten setzen, unabhängig davon, ob eine gesetzliche Pflicht im Einzelfall exakt zutrifft.

Was tue ich, wenn meine Vermieterin oder mein Vermieter bei überhitzten Praxisräumen nicht reagiert?

Beginne mit einem genauen Temperaturprotokoll, in dem du Innen- und Außentemperatur über mehrere Tage dokumentierst. Prüfe deinen Mietvertrag auf zugesicherte Raumtemperaturen und suche das Gespräch mit der Vermieterseite. Je nach Rechtslage und Bundesland kann bei nachgewiesener Überhitzung auch eine anteilige Mietminderung infrage kommen – hierzu lohnt sich im Zweifel eine rechtliche Beratung, da die Rechtsprechung uneinheitlich ist.

Ist Klimaangst eine psychische Erkrankung, die ich diagnostizieren kann?

Nein. Klimaangst gilt fachlich nicht als eigenständige Diagnose, sondern als psychologisches Phänomen, das eine reale Bedrohung widerspiegelt. Dennoch kann sie im Alltag stark belasten und ist ein ernstzunehmendes Thema für therapeutische Gespräche, insbesondere bei jüngeren PatientInnen und Menschen mit hohem Umweltbewusstsein.

Sollten PatientInnen ihre Medikamente im Sommer eigenständig anpassen?

Nein, keinesfalls ohne ärztliche Rücksprache. Manche Medikamente wie Psychopharmaka, Diuretika oder Blutdrucksenker wirken bei Hitze anders und können das Risiko für Kreislaufprobleme oder Dehydrierung erhöhen. Eine eigenmächtige Dosisänderung ist aber immer riskanter als die Hitzebelastung selbst – die richtige Anlaufstelle ist die verschreibende Ärztin oder der verschreibende Arzt.

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