Vom Vortrag über das Poster bis zum Flyer: Wie du Fachtagungen als Schaufenster für dein Können nutzt, ohne rechtlich oder menschlich über die Stränge zu schlagen.
Kongresse, Tagungen und Messen haben gelegentlich ein Imageproblem. Viele Menschen an einem Ort, sehr viele Infos und Inhalte, die in kurzer Zeit auf einen einwirken, Seminarräume in denen es entweder viel zu heiß oder eisig kalt ist und Vortragende, die überziehen, weshalb man in der Pause nur schnell einen Kaffee runterschütten kann. Aber: Sind sie gut organisiert, klimatisiert und koordiniert, sind sie ein Ort von Wissensaustausch, Vernetzung und eine ideale Bühne für deine Fachexpertise und/oder deine Praxis.
Aber wie nutzt du diese Bühne am besten? Reicht ein Stapel Flyer auf dem Tisch am Eingang, oder bringt dich ein Vortrag eher deinen Zielen näher? Brauchst du einen eigenen Stand, oder ist ein Poster klüger? Und was darfst du als Angehörige oder Angehöriger eines Gesundheitsberufs werblich überhaupt sagen?
Wir führen dich durch die Möglichkeiten, helfen dir bei der Wahl des passenden Formats und sagen dir, worauf du neben der Gestaltung achten solltest.
Inhalt
- Quick Read
- Warum du dich überhaupt auf Kongressen zeigen solltest
- Erst das Ziel, dann das Format
- Der Vortrag: die Königsdisziplin (mit Vorlaufzeit)
- Das Poster: der unterschätzte Türöffner
- Der Stand: Bühne für dein Angebot
- Flyer, Visitenkarten und Co.: die Zugabe, nicht das Hauptgericht
- Was du darfst und was nicht: Werberecht für Gesundheitsberufe
- Was heißt das für deinen Kongressauftritt?
- Weitere Dinge, die du im Blick haben solltest
- Nach dem Kongress ist vor dem Kontakt
Quick Read
Du hast gerade wenig Zeit, möchtest aber trotzdem kompakt alles über die Präsentation deiner Praxis und deiner Person auf Kongressen und Tagungen erfahren? Dann nutze Quick-Read – für Wissen on the go 💡💜
Kongresse sind eine der besten Gelegenheiten, dich und deine Praxis fachlich sichtbar zu machen. Du brauchst dafür kein riesiges Budget und keinen Professorentitel, aber ein klares Ziel, das passende Format und ein Auge auf die berufsrechtlichen Spielregeln. (Weiterlesen …)
- Erst das Ziel, dann das Format. Willst du als Expertin oder Experte bekannt werden, Kooperationen anbahnen, ein Angebot vorstellen oder Mitarbeitende finden? Davon hängt ab, was zu dir passt.
- Vortrag: Das größte fachliche Prestige, aber auch der längste Vorlauf. Die Frist für Abstracts endet oft fast ein Jahr vor dem Kongress, also früh die Ausschreibungen deiner Verbände im Blick behalten.
- Abstract: Meist rund 400 Wörter, mit Fragestellung, Gliederung und Literatur. Oft anonym eingereicht, also überzeugt die Idee, nicht dein Name.
- Poster: Der sanfte Einstieg. Wenig Text, klare Kernaussage, ein Schaubild und ein QR-Code.
- Stand: Lohnt sich bei konkreten Angeboten. Setze auf ein klares Versprechen, etwas zum Ausprobieren und Fragen statt Verkaufssprech. Mit Kolleginnen und Kollegen teilen spart Geld.
- Flyer, Visitenkarten, Handouts: Die Zugabe, nicht das Hauptgericht. Ein Thema pro Flyer, Handouts mit echtem Nutzen, QR-Codes mit eigenem Link pro Anlass.
- Werberecht beachten: Informieren statt anpreisen. Keine Heilversprechen, keine Vergleiche mit Kolleginnen und Kollegen, nur belegbare Aussagen. Die Regeln unterscheiden sich je nach Beruf, Land und Kammer, im Zweifel beim Berufsverband nachfragen.
- Auch bedenken: Fotos und Fallbeispiele datenschutzkonform halten, Interessenkonflikte offenlegen, Kosten realistisch kalkulieren, hybride Formate nutzen.
- Nachbereitung entscheidet: Innerhalb einer Woche nachfassen, Kontakte sortieren, auswerten und die nächsten Fristen notieren.
Warum du dich überhaupt auf Kongressen zeigen solltest
Fachliche Sichtbarkeit ist selten ein Selbstzweck. Meist stecken dahinter ganz handfeste Ziele:
🤝 Zuweisungen und Kooperationen: Ärztinnen, Ärzte und andere Berufsgruppen empfehlen Menschen, die sie kennen und deren Arbeit sie einschätzen können.
🥇 Fachliche Reputation: Wer einen guten Vortrag hält, wird als Expertin oder Experte für ein Thema wahrgenommen und angefragt, für Weiterbildungen, Fachbeiträge oder Supervision.
💬 Netzwerk: Die besten Gespräche passieren bekanntlich nicht zwingend im Hörsaal, sondern mitunter in der Schlange für eine Tasse Kaffee.
👫 Personalgewinnung: Wer ein Team aufbaut, trifft hier Kolleginnen und Kollegen, die offen für Neues sind.
💡 Eigene Weiterentwicklung: Wer ein Thema für ein Publikum aufbereiten muss, versteht es danach oft selbst besser.
Erst das Ziel, dann das Format
Der häufigste Fehler ist, mit dem Format anzufangen. Frag dich zuerst, was nach dem Kongress anders sein soll:
- Willst du als Expertin oder Experte für ein Thema bekannt werden?
- Willst du konkrete Kooperationen anbahnen, etwa mit Fachärztinnen, Schulen, Vereinen oder Kliniken?
- Willst du ein neues Angebot oder ein Produkt (Gruppe, Weiterbildung, Online-Programm, ein von dir entwickeltes Therapie-Tool) bekannt machen?
- Willst du Mitarbeitende finden?
- Oder willst du erst einmal Kongresserfahrung sammeln und sehen, wie der Hase läuft?
Je nach Antwort passt ein anderes Format. Die folgende Übersicht gibt dir einen ersten Anhaltspunkt:
| Format | Aufwand | Kosten | Besonders geeignet für |
| Vortrag / Kurzvortrag | hoch | gering bis mittel (meist trotzdem Kongressgebühr) | Expertenstatus, fachliche Reputation |
| Workshop | hoch | gering bis mittel | Methoden zeigen, Tiefe, direkte Interaktion |
| Poster | mittel | gering | Einstieg, Projekte, Gespräche anstoßen |
| Stand | hoch | oft hoch | Angebote bekannt machen, viele Kontakte, Personalgewinnung |
| Flyer, Visitenkarten, Give-aways | gering | gering | Ergänzung zu allem anderen |
| „Nur“ teilnehmen und netzwerken | gering | gering | Kontakte knüpfen, Szene kennenlernen |
Der Vortrag: die Königsdisziplin (mit Vorlaufzeit)

Ein Vortrag ist das Format mit dem größten fachlichen Prestige. Er ist aber auch das Format, bei dem du am längsten im Voraus planen musst.
Der Call for Abstracts ist dein Eintrittsticket. Die meisten Fachkongresse schreiben ihre Vorträge öffentlich aus. Du reichst eine Kurzfassung ein, und ein Programmkomitee entscheidet. Wie früh das passiert, zeigt ein aktuelles Beispiel: Der Bundeskongress Physiotherapie 2026 fand am 09. und 10. Oktober 2026 in Augsburg statt, und die Einreichungsfrist für Vorträge endete bereits am 30. November 2025. Das ist knapp ein Jahr Vorlauf. Wenn du also jetzt denkst „Da wäre ich nächstes Jahr gern dabei“, solltest du jetzt schon die Ausschreibungen der Verbände und Fachgesellschaften deines Fachs im Blick haben.
Was in ein Abstract gehört. Die Anforderungen sind von Kongress zu Kongress ähnlich: Beim genannten Bundeskongress sind maximal 3.000 Zeichen inklusive Leerzeichen erlaubt, also etwa 400 Wörter. Enthalten sein müssen Titel, Zielsetzung oder Fragestellung, Gliederungspunkte und drei zentrale Literaturangaben. Außerdem erfolgt die Begutachtung anonym, der Text darf also keine Hinweise auf Autorinnen, Autoren oder Institutionen enthalten. Heißt für dich: Dein Name und deine Praxis haben im Abstract nichts zu suchen, überzeugen muss die Idee. Andere Veranstalter verlangen eine klassische Gliederung in Hintergrund, Methode, Ergebnisse und Diskussion. Lies die Vorgaben also immer genau, bevor du zu schreiben beginnst.
Das Thema entscheidet. Kongresse haben meist ein Leitthema. Das Programmkomitee sucht Beiträge, die dazu passen. Wer einen allgemeinen Praxisbericht einreicht, hat schlechtere Chancen als jemand, der eine konkrete Frage beantwortet, die im Kongressmotto steckt. Gute Vortragsideen für Praktikerinnen und Praktiker sind zum Beispiel:
- ein Fallbeispiel mit klarer Lernfrage („Was habe ich bei dieser Behandlung gelernt, das ich vorher nicht wusste?“)
- ein Versorgungsmodell aus deiner Praxis (interdisziplinäre Zusammenarbeit, Gruppenangebote, Übergänge zwischen Behandlungsphasen)
- die Anwendung einer Methode im Alltag, mit ehrlicher Bilanz inklusive der Stolpersteine, etwa ein Bewegungsprogramm für Menschen mit chronischen Schmerzen, ein Sprachtraining im Kita-Setting oder ein Konzept für Stressprävention im Betrieb
Wichtig für die Planung: Referentinnen und Referenten müssen sich häufig selbst für die Tagung registrieren und die Teilnahmegebühr entrichten. Kläre das vor der Einreichung, damit du später keine Überraschung erlebst.
Die Kunst des Vortrags selbst – ein paar Grundregeln, die auf alle Fachrichtungen passen:
- Eine Kernbotschaft. Was sollen die Zuhörenden in einem Satz mitnehmen? Wenn du das nicht in einem Atemzug sagen kannst, ist der Vortrag zu voll.
- Weniger Folien, mehr Geschichte. Fachpublikum liebt Evidenz, aber noch mehr liebt es Fälle, Beispiele und Aha-Momente.
- Üben, und zwar laut. Nicht nur im Kopf. Stopp dabei die Zeit. Kongresse sind in der Regel gnadenlos getaktet.
- Interaktion einplanen. Eine Frage ans Publikum oder eine kurze Mitmach-Übung wirkt Wunder gegen die Nachmittagsmüdigkeit.
- Handout oder QR-Code. Wer dein Thema spannend fand, möchte etwas mitnehmen. Ein Link zu deinen Folien und deinen Kontaktdaten ist die elegante Variante.
Manche Veranstalter bieten neben klassischen Vorträgen auch Workshops an. Dementsprechend können Abstracts dann als Vortrag, Workshop oder Poster eingereicht werden, und es gibt zusätzlich Praktiker-Workshops. Workshops eignen sich besonders, wenn du eine Methode vermitteln willst. Sie machen mehr Arbeit, aber die Teilnehmenden erleben dich und deine Arbeitsweise unmittelbar.
Das Poster: der unterschätzte Türöffner
Wenn dir ein Vortrag noch zu groß erscheint, ist das Poster ein hervorragender Einstieg. Es ist in der Regel die visuelle Darstellung eines Abstracts, das du zu einem Fachkongress einreichst. Du hast damit einen Platz im Programm und ein Gesprächsthema, das für dich arbeitet, auch wenn du gerade einen Kaffee holst.
Je nach Veranstalter läuft die Präsentation unterschiedlich ab. Bei einem Kongress ist das Poster im A0-Format gefordert, mit fünf Minuten Präsentation und fünf Minuten Diskussion. Ein anderer Veranstalter zeigt Poster als Dauerausstellung und möchte sie zusätzlich als Videopräsentation haben, weil der Kongress hybrid stattfindet. Mach dich also frühzeitig mit den technischen Vorgaben vertraut: Format, Hoch- oder Querformat, Druckfrist und Digitalpflicht.
Gestaltungstipps für ein Poster, das gelesen wird:
- Aus drei Metern Entfernung muss klar sein, worum es geht. Titel groß, Kernaussage größer.
- Weniger Text, mehr Struktur. Ein Poster ist kein wissenschaftlicher Aufsatz im Großformat.
- Eine Grafik oder ein Schaubild als Blickfang.
- Kontaktmöglichkeit nicht vergessen. Ein QR-Code zu deiner Website oder zum Volltext reicht.
- Foto von dir? Gern. Menschen sprechen lieber jemanden an, dessen Gesicht sie schon vom Poster kennen.
Der Stand: Bühne für dein Angebot

Ein Stand kostet Geld, Zeit und Nerven, bringt dir aber etwas, was weder Vortrag noch Poster bieten: viele kurze Begegnungen über mehrere Stunden oder Tage. Er lohnt sich vor allem, wenn du etwas Konkretes anzubieten hast: eine neue Weiterbildung, ein Therapie- oder Trainingsprogramm, eine Gemeinschaftspraxis mit offenen Stellen oder ein Produkt.
Standgebühren und Sponsoring-Pakete unterscheiden sich stark, von überschaubar bis ambitioniert. Frag frühzeitig bei der Kongressorganisation nach den Konditionen. Häufig gibt es auch günstigere Varianten für Verbände, Start-ups oder kleine Praxen, zum Beispiel einen gemeinsamen Stand mit Kolleginnen und Kollegen. Das spart Geld und ist außerdem weniger einsam.
Was einen guten Stand ausmacht:
- Ein klares Versprechen. Wer vorbeigeht, muss in drei Sekunden verstehen, wofür du stehst. „Praxis für Ergotherapie“ sagt wenig. „Ergotherapie für Kinder mit Schulproblemen: Wir zeigen dir, wie der Alltag wieder leichter wird“ sagt schon viel mehr (und bleibt trotzdem sachlich, dazu gleich mehr).
- Etwas zum Anfassen und Ausprobieren. Ein Balancebrett, ein Biofeedback-Gerät, ein kleiner Selbsttest zur Stimmbelastung oder eine kurze Achtsamkeitsübung: Alles, was Besucherinnen und Besucher selbst tun können, zieht an und bleibt im Kopf.
- Eine Frage statt eines Sprechzettels. „Woran arbeitest du gerade?“ öffnet mehr Türen als „Hier siehst du unser Leistungsspektrum“.
- Besetzung mit Köpfchen. Mach Pausen, trink Wasser, zieh Schuhe an, in denen du acht Stunden stehen kannst und teile dir am Tag davor und danach, wenn möglich, nicht zu viel ein. Du glaubst nicht, wie wichtig das ist.
- Ein Anlass, zurückzukommen. Ein kleines Gewinnspiel (sofern rechtlich zulässig), eine Kurz-Demo zu festen Uhrzeiten oder eine Einladung zum Vortrag am Folgetag.
Flyer, Visitenkarten und Co.: die Zugabe, nicht das Hauptgericht
Printmaterialien sind das Gedächtnis deines Auftritts. Sie ersetzen kein Gespräch, helfen aber, dass nach dem Gespräch etwas Handfestes übrig bleibt.
- Visitenkarten sind noch immer nützlich, gerade im deutschsprachigen Raum. Wichtig: Berufsbezeichnung korrekt, Kontaktdaten aktuell, plus ein QR-Code zu deiner Website oder deinem Terminbuchungstool. Mittlerweile gibt es natürlich auch die Möglichkeit der digitalen Visitenkarte, die du in Form eines QR-Codes zum Scannen parat haben kannst.
- Flyer funktionieren, wenn sie ein einziges Thema transportieren. Ein Flyer, der alles verspricht (und dabei noch dreimal das Logo zeigt), landet beim Hotel-Check-out im Papierkorb. Ein Flyer mit einer konkreten Frage, einem einprägsamen, klaren Design oder einer amüsanten und dennoch professionellen Catchphrase hat eine echte Chance, aufbewahrt zu werden.
- Handouts zum Vortrag sind oft wirksamer als jeder Flyer, weil sie einen Nutzen haben. Eine kompakte Checkliste oder ein Entscheidungsbaum für die Praxis wird auch noch Monate später hervorgekramt.
- Give-aways sind ein Geschmacksthema. Der hundertste Kugelschreiber fällt nicht auf. Etwas Nützliches mit Bezug zu deinem Fach schon: ein Stressball, ein Lesezeichen mit Atemübung, ein Mini-Widerstandsband oder ein Notizblock mit Gesprächsleitfaden.
- Digitale Alternativen: Ein QR-Code mit Link zu einer kleinen Landingpage (Infos, Anmeldung für deinen Newsletter, Download) spart Papier und lässt sich später auswerten. Ein Tipp aus der Praxis: Verwende für jeden Anlass einen eigenen Link, dann weißt du hinterher, was gewirkt hat.
Was du darfst und was nicht: Werberecht für Gesundheitsberufe
Jetzt kommt der Teil, der nicht so charmant ist wie ein Stressball, aber wichtiger. Therapeutinnen und Therapeuten sind keine Zahnpastahersteller. Für Gesundheitsberufe gelten besondere Regeln, sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Welche genau, hängt von deinem Beruf und deiner konkreten Tätigkeit ab. Informiere dich deshalb immer zusätzlich bei deiner Kammer oder deinem Berufsverband.
Deutschland
Das Heilmittelwerbegesetz (HWG) und das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb bilden den Rahmen. Unzulässig sind unter anderem garantierte Heilversprechen, Werbung mit Prominenten-Empfehlungen und Vorher-Nachher-Bilder bei nicht medizinisch indizierten Schönheitsbehandlungen. Ein anschauliches Beispiel aus der Lehre: Wer verspricht, dass schon bei der ersten Anwendung einer besonderen Physiotherapie eine „sofortige Heilung der Beschwerden“ eintritt, macht ein unzulässiges Heilversprechen. Auch bei wissenschaftlich nicht belegten Verfahren ist Vorsicht geboten: Das Oberlandesgericht Koblenz untersagte einem Arzt die Werbung für eine Magnetfeldtherapie, weil eine therapeutische Wirksamkeit nicht wissenschaftlich belegt war und auch ein Hinweis auf die fehlende Bestätigung daran nichts änderte. Und noch 2025 hat das Landgericht Freiburg einem Anbieter zahlreiche Wirkversprechen untersagt, nachdem der Verbraucherzentrale Bundesverband beanstandet hatte, dass die behaupteten Wirkungen nicht nachweisbar waren.
Für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten kommt das Berufsrecht der Kammern hinzu. Die Muster-Berufsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer verlangt, dass fachliche Äußerungen sachlich informierend und wissenschaftlich fundiert sein müssen. Die Kammer NRW fasst es in ihren Regeln zur Außendarstellung so zusammen: Anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung ist unzulässig. Die Landeskammern regeln das im Detail unterschiedlich, deshalb lohnt der Blick in die Berufsordnung deiner eigenen Kammer.
Österreich
Hier greift das Berufsrecht der jeweiligen Gesundheitsberufe. Für die gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Berufe, also Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Diätologie, Biomedizinische Analytik, Radiologietechnologie und Orthoptik, enthält das MTD-Gesetz 2024 einen eigenen Abschnitt zu Werbebeschränkung, Provisionsverbot, Informationspflicht und Rechnungslegung. Physio Austria weist ausdrücklich darauf hin, dass die Physiotherapie als gesetzlich geregelter Gesundheitsberuf einer Werbebeschränkung unterliegt, und gibt deshalb sogar eine Empfehlung für die Gestaltung des Praxisschildes heraus. Wenn schon das Praxisschild zum Thema wird, solltest du bei einem Stand erst recht genau hinschauen. Für andere Berufe, etwa Psychotherapie oder Psychologie, gelten eigene Berufsgesetze und Standesregeln. Ein Anruf bei deinem Berufsverband ist Gold wert.
Und die Sportwissenschaft? Wer als Sportwissenschaftlerin oder Sportwissenschaftler nicht heilkundlich, sondern trainings- oder präventionsorientiert arbeitet, unterliegt meist nicht denselben berufsrechtlichen Werbebeschränkungen wie die gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe. Das allgemeine Irreführungsverbot gilt aber auch für dich. Und sobald du mit Wirkungen auf Krankheiten oder Beschwerden wirbst, wird es heikel, weil du dich dann schnell im Bereich der Heilversprechen bewegst. Wenn du unsicher bist, frag lieber einmal zu viel nach.
Was heißt das für deinen Kongressauftritt?
Ein paar Faustregeln, die in der Praxis helfen:
- Informieren statt anpreisen. „Wir arbeiten nach folgendem Konzept, das Studien X und Y stützen“ ist besser als „Die beste Therapie der Stadt“.
- Keine Heilversprechen, keine Erfolgsgarantien, keine Vergleiche mit Kolleginnen und Kollegen.
- Belegbare Aussagen. Wenn du eine Wirkung benennst, solltest du sie mit Quellen unterlegen können.
- Fachpublikum ist nicht Laienpublikum. Vor Fachleuten darf und kann vieles fachlicher kommuniziert werden. Beim Heilmittelwerbegesetz wird zum Beispiel zwischen Werbung gegenüber Fachkreisen und Werbung gegenüber Laien unterschieden. Findet der Kongress dagegen öffentlich statt, etwa als Gesundheitsmesse, gelten für dich strengere Maßstäbe.
- Im Zweifel nachfragen. Kammer, Berufsverband oder eine Fachanwältin beziehungsweise ein Fachanwalt für Medizinrecht kosten dich ein Gespräch, eine Abmahnung kostet dich weit mehr.
Hinweis: Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung, sondern ein Überblick. Die Rechtslage kann sich ändern und je nach Beruf, Bundesland und Kammer unterschiedlich ausfallen.
Weitere Dinge, die du im Blick haben solltest

Datenschutz und Fotos. Du machst ein schönes Foto von deinem Stand mit vollem Besucherandrang und willst es auf Instagram posten? Denk an die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Personen. Bei Gruppenfotos aus der Totalen ist das meist unproblematischer als bei Porträts, aber ein kurzes „Darf ich das posten?“ kostet nur Sekunden. Und Klientinnen, Klienten, Patientinnen und Patienten gehören selbstverständlich weder aufs Foto noch in Fallbeispiele, wenn sie dadurch erkennbar werden. Anonymisiere Fallbeispiele konsequent.
Informiere dich auch bei der Veranstaltung selbst bzgl. der Fotorechte bzw. nutze offizielle Fotos auf denen dein Stand mit Publikum zu sehen ist. Bei Kauf des Tickets bzw. Betreten der Veranstaltung stimmen die Besucherinnen und Besucher nämlich oftmals automatisch zu, dass beim Event Fotos gemacht und anschließend veröffentlicht werden.
Interessenkonflikte offenlegen. Wenn du ein Produkt verkaufst oder von einem Unternehmen unterstützt wirst, sag es. Das ist nicht nur gute Praxis auf Fachkongressen, es schafft Vertrauen.
Kosten kalkulieren. Neben Standgebühr oder Teilnahmegebühr kommen Reisekosten, Übernachtung, Druck, Material und der Verdienstausfall dazu, denn dein Praxisbetrieb steht währenddessen vielleicht still. Rechne durch, was du an Aufwand investieren kannst, und setze dir ein Ziel: drei neue Kooperationskontakte, fünf Anmeldungen für deinen Workshop, ein Gespräch mit der Schulleitung oder dem Betriebsarzt. Dann weißt du hinterher, ob es sich gelohnt hat.
Online und hybrid mitdenken. Immer mehr Kongresse bieten digitale Formate an. Das kann ein Vorteil sein: weniger Reiseaufwand, größere Reichweite. Eine Aufzeichnung deines Vortrags kann dir noch Monate später Anfragen bringen. Achte aber auf Technik, Licht und Ton, denn ein verrauschtes Mikrofon macht auch die beste Fachexpertise unsichtbar.
Dein Auftritt als Mensch. Ob Poster, Stand oder Vortrag: Menschen erinnern sich an Haltung, Wärme und Klarheit mindestens so gut wie an Inhalte. Eine Therapeutin, die authentisch über ihre Arbeit spricht, wirkt überzeugender als eine, die Hochglanzfolien abspult. Du musst nicht jedes Gespräch in einen Verkaufstermin verwandeln. Sei neugierig, hör zu, stell Fragen. Das ist im Übrigen die Fähigkeit, in der du ohnehin Profi bist.
Nach dem Kongress ist vor dem Kontakt
Was nach der Veranstaltung passiert, entscheidet, ob sich der Aufwand lohnt. Hier eine kleine Nachbereitungs-Checkliste:
- Innerhalb einer Woche nachfassen. Eine kurze Mail an die Menschen, mit denen du gesprochen hast („Schön, dich auf dem Kongress getroffen zu haben, hier wie versprochen der Link zum Handout“) wirkt Wunder.
- Kontakte sortieren. Notiere dir am Abend des Kongresstages auf der Rückseite der Visitenkarten, worüber ihr gesprochen habt. Dein Gedächtnis wird es dir danken.
- Folien und Materialien teilen, sofern die Veranstalter das erlauben.
- Auswerten. Was hat funktioniert, was nicht? Welche Frage kam am häufigsten? Das ist wertvolles Material für deinen nächsten Auftritt, deinen nächsten Blogartikel oder dein nächstes Abstract.
- Nach dem Kongress ist vor dem Kongress. Notiere dir die nächsten Fristen.
Kongresse sind kein exklusiver Club für Professorinnen und Professoren. Mit deinem Praxisalltag, deinen Fällen und deinen Erfahrungen, hast du etwas, das Kolleginnen und Kollegen aus Therapie, Psychologie und Sportwissenschaft interessiert. Ein Vortrag bringt dir fachliche Reputation, ein Poster ist der sanfte Einstieg, ein Stand bringt Kontakte im Dutzend, und Flyer, Visitenkarten und Handouts sorgen dafür, dass dein Auftritt nachhallt.
Wähle das Format, das zu deinem Ziel, deiner Zeit und deinem Budget passt. Beachte die berufsrechtlichen Grenzen, bleib sachlich und echt, und denk daran, dass der wertvollste Teil eines Kongresses oft in der Kaffeepause stattfindet.
Wir sehen uns dort, spätestens am Stehtisch mit den Mini-Croissants 🥐 😉
Header © corelens | Canva