Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Osteopathie, Psychologie, Psychotherapie und Ernährungsberufe – ein Überblick über die drängendsten berufspolitischen Themen in Deutschland und Österreich. Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Osteopathie, Psychologie, Psychotherapie und Ernährungsberufe – ein Überblick über die drängendsten berufspolitischen Themen in Deutschland und Österreich.

Was TherapeutInnen jetzt wissen müssen: Die wichtigsten Forderungen der Berufsverbände 2026

Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Osteopathie, Psychologie, Psychotherapie und Ernährungsberufe – ein Überblick über die drängendsten berufspolitischen Themen in Deutschland und Österreich.

Die Gesundheitsversorgung in Deutschland und Österreich steht an einem Scheideweg. Therapeutinnen und Therapeuten aus den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Osteopathie, Psychologie, Psychotherapie und Ernährung kämpfen gemeinsam für faire Vergütung, bessere gesetzliche Rahmenbedingungen und mehr Mitspracherecht in der Gesundheitspolitik. Wir geben dir einen kompakten Überblick, was deine Berufsvertretung derzeit fordert – und was das für deinen Alltag bedeutet.


Physiotherapie 🦴

Deutschland

Wer in einer Physiotherapie-Praxis arbeitet, kennt das Problem: Die Vergütung durch die Krankenkassen hält seit Jahren nicht mit den steigenden Kosten Schritt. Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband – der sogar eine Vergütungsabsenkung um –0,42 % vorschlug – leiteten die vier maßgeblichen Physiotherapieverbände ein Schiedsverfahren ein. Im März 2025 wurde schließlich eine Erhöhung von 4,01 % (für Q2 2025 sogar 8,02 %) festgeschrieben. Mit 01. Januar 2026 stieg die Vergütung für Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung um weitere 2,49 %. 

Ganz aktuell verteidigt Physio Deutschland die Blankoverordnung gegen eine AOK-Zwischenbilanz, die höhere Ausgaben kritisiert: Der Verband betont, dass die Kostensteigerungen kein Qualitätsmangel, sondern Zeichen einer endlich evidenzbasierten, bedarfsgerechten Versorgung seien. 

Für die Zukunft bleibt die Forderung nach dem Direktzugang (ohne ärztliche Verordnung) sowie nach einem eigenen Sitz mit Stimmrecht im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zentral. Auch der Abbau bürokratischer Hürden und die Vollakademisierung der Ausbildung stehen auf der Agenda.

physio-deutschland.de | ifk.de | vpt.de

Österreich

In Österreich fordert Physio Austria vor allem einen niederschwelligen Zugang zur Physiotherapie – also die Möglichkeit für Patientinnen und Patienten, ohne aufwendige ärztliche Einzelanordnung Therapie in Anspruch zu nehmen. Außerdem ist die Erweiterung des Kompetenzbereichs ein zentrales Anliegen: Die Methodenwahl soll ausschließlich bei den dafür ausgebildeten Therapeutinnen und Therapeuten liegen, nicht beim verordnenden Arzt oder der Ärztin. Öffentliche Masterstudiengänge und Spezialisierungen sollen die Profession weiter stärken.

physioaustria.at


Ergotherapie 🖐️

Deutschland

Der Deutsche Verband Ergotherapie (DVE) und der Bundesverband für ErgotherapeutInnen in Deutschland (BED) setzen sich für die Vollakademisierung der Ergotherapieausbildung ein. Gemeinsam mit dem Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen drängen sie die Bundesländer, nach dem Auslaufen der Modellphase Ende 2024 zügig Bachelor-Studiengänge einzurichten. Weitere Forderungen umfassen die Beteiligung an der Telematikinfrastruktur, die Mitgestaltung des neuen Berufsgesetzes und die Förderung von Digitalisierung und innovativen Versorgungsmodellen. 

Brandaktuell fordern die Verbände der Heilmittelberufe – darunter Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie – gemeinsam ein eigenständiges Bundesgesetz zur Ausbildungsfinanzierung: Schulgeldfreiheit und Ausbildungsvergütung sollen gleichzeitig und unabhängig von den laufenden Berufsrechtsreformen für alle Heilmittelberufe geregelt werden. Hintergrund ist die Sorge, dass eine schrittweise Reform – beginnend mit der Physiotherapie – die übrigen Berufe in einen ungleichen Wettbewerb um Auszubildende bringt und Ausbildungsplätze gefährdet.

dve.info | bed-ev.de 

Österreich

Das zentrale Ziel des Berufsverbandes ist der Direktzugang zur Ergotherapie – ohne ärztliche Verordnung, insbesondere in der Gesundheitsförderung und Prävention. Ergotherapie Austria fordert außerdem die Implementierung schulbasierter Ergotherapie, um Kinder mit Lernschwierigkeiten oder motorischen Problemen direkt im schulischen Umfeld zu unterstützen. Und wie alle MTD-Berufe in Österreich: mehr Mitsprache in den Landesgesundheitsplattformen.

ergotherapie.at 


Logopädie 🗣️

Deutschland

Der Deutsche Bundesverband für Logopädie (dbl) fordert seit Jahren zwei grundlegende Reformen: die Einführung des Direktzugangs (Abschaffung des Arztvorbehalts) und die Vollakademisierung der Ausbildung als einzige Ausbildungsform. Ein eigenes Berufsgesetz für die Logopädie/Sprachtherapie ist in Vorbereitung und soll voraussichtlich 2026 novelliert werden. Bei der Vergütung stiegen die GKV-Tarife ab Januar 2025 um 5,51 % – nach jahrzehntelanger Unterbewertung aus Verbandssicht noch lange nicht genug. Für 2026 wurde ab Juli eine Erhöhung um 6,12 % vereinbart. Gemeinsam mit den österreichischen und Schweizer Verbänden positioniert sich der dbl klar: Sprachförderung ist kein Ersatz für logopädische Therapie – ein politisch wichtiges Signal gegen Verwässerung des Berufsbildes.

dbl-ev.de | dbs-ev.de | dba-ev.de | logo-deutschland.de | bdsl-ev.de 

Österreich

Auch logopädieaustria teilt die zentralen Forderungen nach Direktzugang und akademischer Ausbildung. Als Mitunterzeichner des gemeinsamen deutschsprachigen Positionspapiers (April 2025) betont der Verband die frühzeitige Identifikation und Versorgung von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen – unabhängig von Ein- oder Mehrsprachigkeit.

logopaedieaustria.at 


Osteopathie 🤲

Deutschland

Ein historischer Schritt: Im Koalitionsvertrag des 21. Deutschen Bundestags (CDU/CSU und SPD, 2025) ist erstmals die berufsgesetzliche Regelung der Osteopathie festgeschrieben. Die Osteopathie-Allianz aus Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) und Bundesverband Osteopathie (BVO) feiert diesen Etappensieg, betont aber: Ein Berufsgesetz schützt Patientinnen und Patienten, schafft Rechtssicherheit und schließt unqualifizierte Anbieter aus. Kernforderungen sind hohe Ausbildungsstandards (mindestens 4 bis 5 Jahre), eine klare Berufsbezeichnung und die Weiterentwicklung der Kassenerstattung.

osteopathie.de | bv-osteopathie.de 

Österreich

Auch in Österreich ist die Osteopathie kein eigenständiger Gesundheitsberuf und bleibt bislang Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten als Zusatzqualifikation vorbehalten. Die Österreichische Gesellschaft für Osteopathie (OEGO) kämpft für die gesetzliche Anerkennung als eigenständiger Beruf im Rahmen der integrativen Medizin. Gespräche mit dem Gesundheitsministerium laufen, jedoch schleppend.

oego.org 


Psychologie 🧠

Deutschland

Klinische Psychologinnen und Psychologen in Deutschland fordern eine stärkere strukturelle Einbindung in die ambulante Versorgung und die Primärversorgungszentren. Aktuell setzt sich der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP, März 2026) besonders für die Verankerung psychologischer Expertise in der Notfallversorgung ein: Psychiatrische Notfälle machen schätzungsweise 10–15 % aller Notfalleinsätze aus, dennoch fehlt in vielen Notaufnahmen und den geplanten Integrierten Notfallzentren (INZ) eine systematische psychologische Einbindung. Der BDP fordert daher, dass Psychologinnen und Psychologen als fester Bestandteil multiprofessioneller Teams in den INZ verankert werden – für Akutintervention, Deeskalation und psychosoziale Begleitung – sowie eine bessere Vernetzung mit psychiatrischen und psychotherapeutischen Krisendiensten. Frühe psychologische Intervention verhindere Chronifizierung, reduziere unnötige stationäre Aufnahmen und entlaste das Gesamtsystem.

bdp-verband.de | dgps.de 

Österreich

Der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) hat 2024 einen wichtigen Erfolg erzielt: Klinisch-psychologische Behandlung ist seit dem 01. Januar 2024 erstmals Kassenleistung. Doch BÖP-Präsidentin Beate Wimmer-Puchinger fordert mehr: Die Behandlung soll künftig als vollfinanzierte Sachleistung angeboten werden – einkommensunabhängig und flächendeckend. Besonders dringend: mehr Behandlungsplätze für Kinder und Jugendliche, deren Wartezeiten inakzeptabel lang sind. Außerdem setzt sich der BÖP für regelmäßige psychologische Verlässlichkeitsprüfungen bei Waffenbesitzerinnen und -besitzern ein (alle 5 Jahre) sowie für die Indexierung der Gutachtenhonorare, die seit 2017 eingefroren sind.

boep.or.at 


Psychotherapie 💬

Deutschland

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) begrüßt, dass der aktuelle Koalitionsvertrag (2025) der Psychotherapie erstmals ein eigenes Unterkapitel widmet. Zentrale Forderungen, die teils bereits aufgegriffen wurden:

  • Separate Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche
  • Gesicherte Finanzierung der Weiterbildung (bisher unzureichend trotz gesetzlicher Reform)
  • Abschaffung des bürokratischen G-BA-Qualitätssicherungsverfahrens ambulanter Psychotherapie, das TherapeutInnen belastet, ohne echten Nutzen zu bringen
  • Mehr psychotherapeutische Versorgung in psychiatrischen Kliniken (aktuell im Schnitt nur 25 min/Woche pro Patient:in – zu wenig)

Die Vergütungsabwertung durch den Bewertungsausschuss um 4,5 % im März 2026 sorgt für massive Kritik aller Verbände. Die BPtK hält dagegen mit konkreten Zahlen: In der ambulanten Psychotherapie werden für jährlich 4,6 Milliarden Euro rund drei Millionen Patientinnen und Patienten versorgt – während die vollstationäre psychiatrische Behandlung mehr als das Doppelte an Kosten für nur rund 850.000 Behandlungsfälle verschlingt, mit allein 2025 nochmals rund einer Milliarde Euro Kostensteigerung. BPtK-Präsidentin Andrea Benecke betont: Jeder in ambulante Psychotherapie investierte Euro generiere einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen von zwei bis vier Euro – durch weniger Krankschreibungen, geringere Erwerbsminderungsrenten und vermiedene stationäre Behandlungen. Die pauschale Honorarkürzung sei ein Novum und spare zulasten der Patientinnen und Patienten, ausgerechnet in einem der effizientesten Bereiche des Gesundheitssystems.

bptk.de | dptv.de 

Österreich

Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) fordert flächendeckende, kassenfinanzierte Psychotherapie mit mindestens 80 % Rückerstattung – ob bei Vertrags- oder Wahlpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten. Derzeit muss rund die Hälfte aller Psychotherapien selbst bezahlt werden. Das neue österreichische Psychotherapiegesetz ist 2024 in Kraft getreten; Verbände informieren mit der Kampagne „FÜR ALLE FÄLLE“ die Öffentlichkeit über das erneuerte Berufsbild. Darüber hinaus engagiert sich der ÖBVP in der Initiative „Medienbildung. Jetzt“, die Anfang März 2026 vorgestellt wurde: Gemeinsam mit weiteren Expertinnen und Experten fordert er die Einführung eines eigenen Schulfachs „Medienbildung & Demokratie“ in der AHS-Oberstufe – mit klarem Fokus auf psychischer Gesundheit, Medienkompetenz als Schutzfaktor gegen Radikalisierung und Desinformation sowie souveränem Umgang mit sozialen Medien. Ein reines Alterslimit für Social Media reiche nicht aus; entscheidend sei die fundierte Vorbereitung junger Menschen auf die digitale Welt.

psychotherapie.at | voepp.at 


Diätologie | Ernährungswissenschaft | Oecotrophologie 🥦

Deutschland

Beim Thema Ernährungstherapie dreht sich in Deutschland vieles um Qualitätssicherung und Berufsschutz. Die Verbände VDD, VDOE, QUETHEB und VFED haben mit E-Zert e. V. (Start 2025) eine gemeinsame Zertifizierungsplattform geschaffen, um einheitliche Qualitätsstandards in der Ernährungstherapie und -beratung zu etablieren. Der VDOE tritt unter dem Motto „Sichtbar. Gefragt. Anerkannt.“ für die bessere Erschließung von Arbeitsgebieten und die qualifikationsgerechte Vergütung der Berufsgruppe ein. Politisch fordert der Verband mehr Anerkennung von Ernährungswissenschaften im Gesundheitssystem sowie die Stärkung der Ernährungstherapie als Kassenleistung.

Ein konkreter Meilenstein wurde Ende Februar 2026 erreicht: Das bewährte nutriZert-Zertifizierungssystem – bisher auf Kliniken und ernährungsmedizinische Praxen beschränkt – wurde auf niedergelassene ernährungstherapeutische Praxen ausgeweitet. Damit können PatientInnen und überweisende Hausärztinnen und Hausärzte erstmals bundesweit qualitätsgeprüfte Angebote der Ernährungstherapie gezielt finden (nutrizert.de). Zertifiziert werden dabei nicht einzelne Personen, sondern die Strukturen und Abläufe der Einrichtungen – ergänzend zum persönlichen Qualifikationsnachweis E-Zert. Getragen wird die Initiative gemeinsam von VDD, VDOE, BDEM, DGEM und DAEM.

vdoe.de | vdd.de | dge.de | vfed.de | quetheb.de 

Österreich

Diaetologie Austria setzt Schwerpunkte auf Berufsschutz (Sicherung der fachlichen Zuständigkeit und Verhinderung von Missbrauch durch Unqualifizierte), auf die Qualitätssicherung des Berufsbildes sowie auf die interdisziplinäre und internationale Vernetzung. Wie alle MTD-Berufe fordert der Verband mehr Mitsprache in der Gesundheitspolitik.

diaetologie.at | veoe.org 


Was alle Berufsgruppen eint

Über alle Disziplinen und Ländergrenzen hinweg zeichnen sich klare gemeinsame Linien ab:

  1. Faire, kostendeckende Vergütung – angemessene Honorare, die mit der Inflation Schritt halten
  2. Direktzugang – PatientInnen sollen ohne Umweg über den Arzt Therapieleistungen in Anspruch nehmen können
  3. Akademisierung der Ausbildung – Vollakademisierung der Therapieberufe als Qualitätssignal und Professionalisierungsschritt
  4. Mehr politische Mitsprache – Sitz und Stimme in Gremien wie dem G-BA (Deutschland) und den Landesgesundheitsplattformen (Österreich)
  5. Gesetzliche Anerkennung – besonders für Osteopathie, aber auch Sicherung bestehender Berufsbilder durch Berufsschutz
  6. Qualitätssicherung und Zertifizierung – immer mehr Berufsgruppen schaffen eigenständige, unabhängige Qualitätsnachweise (z. B. E-Zert, nutriZert), um sich von unqualifizierten AnbieterInnen abzugrenzen, das Vertrauen von PatientInnen und ZuweiserInnen zu stärken und die eigene Profession im System sichtbarer zu machen
  7. Psychische Gesundheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe – PsychologInnen und PsychotherapeutInnen definieren ihren Wirkungsbereich zunehmend über die Einzeltherapie hinaus: in der Notfallmedizin, in Schulen und in der digitalen Prävention – mit dem klaren Anspruch, dort strukturell verankert zu werden, wo psychische Belastungen entstehen

Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen der jeweiligen Berufsverbände sowie auf aktuellen Berichten (Stand: März 2026). Angaben ohne Gewähr – für verbindliche Informationen wende dich direkt an deinen Berufsverband.

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